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Newsletter August 2026

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In dieser Ausgabe:

 

Wichtige Nachrichten

Social Media erst ab 13 oder 16? Europa ringt um den richtigen Jugendschutz

Iran-Berichterstattung: Hat der deutsche Journalismus blinde Flecken?

RT DE: Gericht bestätigt Sendeverbot – Debatte über Medienfreiheit hält an

Informationsfreiheitsgesetz – Nur noch eingeschränkte Akteneinsicht?

Angriffe auf Journalisten in Erfurt

KI-Analyse der ARD-Tagesthemen: Neue Studie entfacht Debatte über politische Ausgewogenheit

 

VEJ begleitet politischen Dialog in Berlin

 

China-Reise der VEJ-Delegation

 

Gebührenmillionen, Belehrungsfernsehen und ein Bundestrainer außer Reichweite

Wichtige Nachrichten

  • Social Media erst ab 13 oder 16? Europa ringt um den richtigen Jugendschutz
  • Iran-Berichterstattung: Hat der deutsche Journalismus blinde Flecken?
  • RT DE: Gericht bestätigt Sendeverbot – Debatte über Medienfreiheit hält an
  • Informationsfreiheitsgesetz – Nur noch eingeschränkte Akteneinsicht?
  • Angriffe auf Journalisten in Erfurt
  • KI-Analyse der ARD-Tagesthemen: Neue Studie entfacht Debatte über politische Ausgewogenheit

VEJ Aktuell

  • VEJ begleitet politischen Dialog in Berlin
  • China-Reise der VEJ-Delegation

Termine

Hammer des Quartals

  • Gebührenmillionen, Belehrungsfernsehen und ein Bundestrainer außer Reichweite

 

EDITORIAL

Liebe Mitglieder der Vereinigung Europäischer Journalisten,

die vergangenen Wochen haben einmal mehr gezeigt, wie lebendig und vielfältig unsere Vereinigung ist. Wir freuen uns darauf, diesen Weg gemeinsam mit Ihnen fortzusetzen.

Ein besonderer Höhepunkt erwartet uns am 19. Oktober in Berlin, wenn wir den bekannten Journalisten und Fernsehmoderator Waldemar Hartmann offiziell zum Ehrenmitglied der Vereinigung Europäischer Journalisten ernennen. Waldemar Hartmann hat den deutschen Sportjournalismus über Jahrzehnte geprägt. Weniger bekannt ist, dass er seine journalistische Laufbahn im politischen Journalismus begann. Als Gründer und langjähriger Geschäftsführer von TV Weiß-Blau hat er die bayerische Medienlandschaft maßgeblich mitgestaltet. Heute bringt er seine Erfahrung als Moderator und Journalist auch bei NIUS ein. Mit seiner Persönlichkeit, seiner journalistischen Haltung und seiner großen Medienerfahrung ist er eine Bereicherung für unsere Vereinigung. Ich freue mich schon heute auf eine interessante Veranstaltung und hoffe, viele von Ihnen dort persönlich begrüßen zu dürfen.

Ein weiteres wichtiges Thema beschäftigt uns derzeit auf europäischer Ebene. Die VEJ bereitet derzeit ihren Antrag auf Anerkennung als Trusted Flagger nach dem Digital Services Act der Europäischen Union vor. Ziel ist es, die journalistische Kompetenz unserer Vereinigung in die Meldung eindeutig rechtswidriger Online-Inhalte einzubringen – unabhängig, verantwortungsvoll und mit einem klaren Bekenntnis zur Meinungs- und Pressefreiheit. Gerade in einer Zeit, in der Desinformation und digitale Manipulation zunehmen, brauchen demokratische Gesellschaften starke journalistische Institutionen. Wir werden Sie über den weiteren Verlauf des Anerkennungsverfahrens selbstverständlich auf dem Laufenden halten.

Auch darüber hinaus laufen die Planungen für weitere Veranstaltungen, Diskussionen und Begegnungen. Der persönliche Austausch bleibt das Herzstück unserer Vereinigung – ebenso wie das gemeinsame Eintreten für unabhängigen Qualitätsjournalismus in Europa.

Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung. Ich freue mich darauf, viele von Ihnen in den kommenden Monaten persönlich wiederzusehen.

Mit herzlichen Grüßen

Dr. Ralf Schneider
Präsident
Vereinigung Europäischer Journalisten

               

 

WICHTIGE NACHRICHTEN

Social Media erst ab 13 oder 16? Europa ringt um den richtigen Jugendschutz
Die Debatte über ein Mindestalter für soziale Medien gewinnt in Europa rasant an Dynamik. Frankreich will die Nutzung von Social Media für unter 15-Jährige ab September verbieten. „Die Intelligenz unserer Kinder und Jugendlichen ist nicht käuflich, und ihre Gefühle dürfen weder von amerikanischen Plattformen noch von chinesischen Algorithmen manipuliert werden“, so Präsident Emmanuel Macron.

Auch Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez haut in diese Kerbe und erklärt, die Social-Media-Landschaft habe sich zu einer Art Wildem Westen entwickelt. „Diese Plattformen bieten kriminellen Aktivitäten, Pornografie und Gewalt einen Zufluchtsort, vor allem zum Schaden unserer Kinder. Wir müssen Ordnung in das System bringen.“ Er will eine Altersgrenze von 16 Jahren. Die Europäische Kommission setzt auf eine europaweit einheitliche Lösung statt eines Flickenteppichs nationaler Regelungen.

In Deutschland hat man natürlich eine Expertenkommission der Bundesregierung zum Kinder- und Jugendschutz im Netz einberufen. Familienministerin Karin Prien folgt diesem Konzept mit abgestuften Sicherheitsmodi für Jugendliche bis 18. Das dürfte in Brüssel daher besser ankommen. Vor allem ihr Plan, das europäisch abzustimmen. „Ich habe aber den Eindruck, dass es in allen europäischen Ländern den festen Willen gibt, hier zu strengeren und besser wirksamen Regelungen zu kommen“, so die CDU-Politikerin. Man wolle kein pauschales Totalverbot, versichert auch die Bundesjustizministerin Hubig.

Die EU empfiehlt einen gestuften Ansatz: Kinder unter 13 Jahren sollen soziale Medien grundsätzlich nur unter Aufsicht und in pädagogischem Rahmen nutzen können. Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren sollen Zugang nur zu Plattformen erhalten, die nachweislich altersgerecht und standardmäßig sicher gestaltet sind. Gleichzeitig soll die Verantwortung stärker auf die Plattformbetreiber verlagert werden. Sie sollen belegen müssen, dass ihre Angebote Kinder nicht durch süchtig machende Funktionen wie Endlos-Scrollen oder Autoplay gefährden.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unterstützt diesen Kurs ausdrücklich, denn sie hat den Schutz von Jugendlichen im Netz vor rund einem Jahr zum Herzensprojekt erklärt, auch als Mutter von sieben und Großmutter von fünf Kindern, wie sie häufig betont. Die Debatte solle sich nicht darum drehen, ob junge Menschen Zugang zu sozialen Medien haben sollten. Die Debatte sei vielmehr, ob Social Media Zugang zu unseren Kindern und Jugendlichen haben sollte und ab wann. „Und hier gewinnen die Argumente für einen verzögerten Zugang zunehmend an Gewicht. Denn Kinder müssen lernen, selbstständig und selbstbestimmt zu handeln – offline, aber natürlich auch online. Und wir müssen ihnen den Schutz und die Zeit zum Reifen dazu geben.“

Kritik kommt jedoch aus unterschiedlichen Richtungen. Datenschützer warnen, dass eine wirksame Alterskontrolle ohne umfangreiche Identitätsprüfungen kaum möglich sei und neue Risiken für die Privatsphäre schaffe. Andere bezweifeln die praktische Wirksamkeit von Altersgrenzen und fordern stattdessen, die Plattformen selbst konsequenter zu regulieren und ihre Algorithmen kinderfreundlicher zu gestalten. Auch einige EU-Mitgliedstaaten sehen pauschale Verbote skeptisch und bevorzugen einen stärker risikobasierten Ansatz.

Die großen Kinderschutzverbände mahnen dagegen zu einer differenzierten Betrachtung. Sie unterstützen strengere Regeln für soziale Medien, sprechen sich aber überwiegend gegen pauschale Altersverbote aus. Stattdessen fordern sie verpflichtende Sicherheitsstandards für Plattformen, einen wirksamen Schutz vor suchtfördernden Algorithmen und schädlichen Inhalten sowie eine bessere Medienbildung. Der Deutsche Kinderschutzbund und UNICEF betonen, dass die Verantwortung in erster Linie bei den Plattformbetreibern liege. Altersgrenzen könnten zwar Teil der Lösung sein, seien allein jedoch kein ausreichender Schutz für Kinder und Jugendliche.

Quellen: Tagesschau/ARD, WELT, Süddeutsche Zeitung, Die ZEIT, Tagesspiegel


Iran-Berichterstattung: Hat der deutsche Journalismus blinde Flecken?

Kaum ein außenpolitisches Thema hat die deutschen Medien in den vergangenen Jahren so herausgefordert wie der Iran. Bereits während der großen Protestwellen gegen das Mullah-Regime kritisierten viele Beobachter, dass die Freiheitsbewegung der iranischen Bevölkerung in Deutschland nicht die Aufmerksamkeit erhielt, die ihrer historischen Bedeutung entsprochen hätte. Während internationale Medien und soziale Netzwerke ausführlich über Demonstrationen und Repressionen berichteten, blieb die Berichterstattung hierzulande häufig punktuell.

Diese Diskussion setzte sich während des jüngsten Iran-Krieges fort. Zwar berichteten ARD, ZDF und die großen Tageszeitungen intensiv über die militärische Eskalation und die Gefahr eines Flächenbrands. Kritiker bemängelten jedoch, dass die Ursachen des Konflikts – das iranische Atomprogramm, die Unterstützung von Hamas, Hisbollah und Huthi-Milizen sowie die Unterdrückung der eigenen Bevölkerung – oftmals weniger Raum erhielten als die Reaktionen Israels und der USA.

Besonders kontrovers wurde die Berichterstattung über US-Präsident Donald Trump diskutiert. Der Spiegel warnte vor einer gefährlichen Eskalation, die Süddeutsche Zeitung vor einem Krieg mit ungewissem Ausgang, die ZEIT stellte vor allem die völkerrechtlichen Fragen der Militärschläge in den Mittelpunkt. Diese Kritik ist ein legitimer Bestandteil journalistischer Arbeit. Sie wirft allerdings die Frage auf, ob gleichzeitig ausreichend über die Hoffnungen vieler Iraner auf ein Ende des Mullah-Regimes berichtet wurde.

Auch Reza Pahlavi, der Sohn des letzten Schahs und eine der bekanntesten Persönlichkeiten der iranischen Exilopposition, hat die deutsche Berichterstattung wiederholt kritisiert. Bei seinem Berlin-Besuch warf er Bundesregierung und Teilen der Medien vor, der iranischen Freiheitsbewegung zu wenig Aufmerksamkeit zu schenken und die Opposition gegen das Regime zu selten zu Wort kommen zu lassen. Gleichzeitig ist Pahlavi selbst innerhalb der iranischen Opposition nicht unumstritten, weshalb seine Rolle differenziert betrachtet werden muss.

Die Debatte ist hochaktuell. Nach den jüngsten amerikanischen Militärschlägen gegen iranische Ziele konzentriert sich ein großer Teil der Berichterstattung erneut auf die Risiken einer Eskalation. Gleichzeitig weisen Medienexperten darauf hin, dass Qualitätsjournalismus ebenso die Lage der iranischen Bevölkerung und der demokratischen Opposition kontinuierlich in den Blick nehmen sollte.

Quellen: ZDF heute, SPIEGEL, DIE ZEIT, WELT, Jüdische Allgemeine

 

RT DE: Gericht bestätigt Sendeverbot – Debatte über Medienfreiheit hält an


Das Verwaltungsgericht Berlin hat das bereits 2022 ausgesprochene Sendeverbot gegen den russischen Sender RT DE bestätigt. Nach Auffassung der Richter handelte es sich um einen in Deutschland veranstalteten Fernsehsender, der ohne die erforderliche Rundfunkzulassung sendete. Die Argumentation von RT DE, lediglich Programminhalte für die russische Konzernmutter TV Novosti produziert zu haben, überzeugte das Gericht nicht. Das Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig, stärkt jedoch die Position der Medienaufsicht im Umgang mit ausländischen Staatssendern.

Mit dem Urteil erhält auch eine grundsätzliche Debatte neue Aktualität: Wie weit darf ein demokratischer Rechtsstaat gehen, wenn er gegen staatlich gelenkte Medien vorgeht? Die Europäische Union hatte RT unmittelbar nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine verboten. Begründet wurde dies mit der gezielten Verbreitung von Propaganda und Desinformation. Kritiker warnten allerdings bereits damals vor einem Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit und bezweifelten, dass Verbote das geeignete Mittel gegen Desinformation seien. Befürworter halten dagegen, dass staatliche Propaganda kein gewöhnliches journalistisches Angebot darstelle und deshalb auch anders behandelt werden müsse.

Dass die Umsetzung der Sanktionen in der Praxis schwierig ist, zeigt eine Recherche von Correctiv. Danach erreicht RT DE trotz des Verbots über mehr als 20 sogenannte Spiegel-Domains weiterhin ein Millionenpublikum. Nach Schätzungen verzeichneten diese Internetseiten zuletzt rund 2,6 Millionen Aufrufe pro Monat. Technisch handelt es sich um nahezu identische Kopien der ursprünglichen RT-DE-Webseite, die über Suchmaschinen und soziale Netzwerke leicht auffindbar sind.

Besonders bemerkenswert ist dabei, dass sich in Deutschland offenbar keine Behörde für die laufende Überwachung neuer RT-Domains verantwortlich sieht. Internetanbieter verweisen auf Informationen der Bundesnetzagentur. Diese wiederum betrachtet ihre Übersichten jedoch nicht als verbindliche Sperrlisten und sieht sich selbst nicht für die Durchsetzung der Sanktionen zuständig. Auch Staatsanwaltschaften, Landesmedienanstalten und andere Behörden verweisen auf jeweils andere Stellen. Es entsteht der Eindruck eines Zuständigkeitsvakuums.

Ein Blick ins europäische Ausland zeigt, dass es auch anders geht. Die österreichische Kommunikationsbehörde KommAustria führt eine regelmäßig aktualisierte Liste entsprechender RT-Spiegeldomains und überprüft stichprobenartig deren Sperrung bei Internetanbietern. Gleichzeitig zeigen Untersuchungen des Institute for Strategic Dialogue (ISD), dass die Sanktionen durchaus Wirkung entfaltet haben: Die Reichweite von RT DE ist im Vergleich zur Zeit vor dem Verbot deutlich zurückgegangen.

Quellen: Correctiv, RT DE / Junkipedia, Welt

 

Informationsfreiheitsgesetz – Nur noch eingeschränkte Akteneinsicht?

In Deutschland sind Bürger, aber auch Vereine, Unternehmen und Organisationen berechtigt, nach dem Informationsfreiheitsgesetz Zugang zu amtlichen Informationen von Bundesbehörden zu bekommen.

Für Journalisten ist das ein sehr wichtiges Rechercheinstrument. Die Maut-Affäre oder die Maskenbeschaffungs-Affäre unter dem damaligen Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wurden dadurch aufgedeckt. 

Für viele Befürworter war das IFG nur ein Zwischenschritt. Die Hoffnung war, dass es zu einem richtigen Transparenzgesetz kommt, nach dem die staatlichen Informationen proaktiv zur Verfügung gestellt werden. Jetzt fordert die CDU laut Tagesschau die Abschaffung des IFG in seiner bisherigen Form. Dagegen formiert sich breiter Widerstand.

Wer eine Auskunft möchte, muss einen formlosen Antrag stellen. Es gibt auch Online-Plattformen, die dabei helfen. Grundsätzlich müssen Behörden einer Anfrage nachkommen, außer wenn es um personenbezogene oder sicherheitsrelevante Informationen geht. Dann müssen Behörden im Einzelfall begründen, warum sie die Anfrage ablehnen. Aktuell sind die Kosten für eine Anfrage bei 500 Euro gedeckelt.

Entscheidend ist dabei, dass das Gesetz Journalisten ein gesetzliches Recht auf Informationen verschafft und sie damit nicht allein von Leaks abhängig macht. Seit der Einführung des Gesetzes 2006 wurden laut Bayrischem Rundfunk rund 300.000 Anfragen gestellt.

Geplante IFG-Reform: Höhere Gebühren und strengere Regeln

Zugespitzt könnte man sagen, das IFG wird in seiner bisherigen Form abgeschafft, denn die Einschränkungen sind massiv. Das Fragerecht soll nur noch bei berechtigtem Interesse gelten. Aus Sicht von Arne Semsrott von der Online-Plattform FragDenStaat würde das dazu führen, dass 99 Prozent der bisherigen Anfragen nicht mehr zulässig wären.

„Wenn ich in Zukunft zur Maskenaffäre von Spahn recherchieren will, dann würde ich wahrscheinlich nur noch dann ein berechtigtes Interesse haben, wenn ich selbst Masken herstelle und sie verkaufe“, sagte der Autor und Aktivist Arne Semsrott bei der Lesung seines Buches „Gegenmacht – Die Zivilgesellschaft schlägt zurück“ in Magdeburg.

Die Gebühren sollen steigen und weiter beim Fragesteller liegen. Je aufwändiger die Anfrage ist, desto teurer könnte es werden. Das könnte Fragesteller im Vorfeld abschrecken. Künftig würden mehr Namen in den Dokumenten geschwärzt werden. Auch könnten „aufgrund einer komplexen Bedrohungslage von innen und außen“ mehr Anfragen abgelehnt werden, so steht im Ergebnispapier des Koalitionsausschusses der Bundesregierung.

Regierung begründet Einschränkungen mit Spionageabwehr

Die Beantwortung der Anfragen kann für den Staatsapparat sehr aufwendig sein. Eines der Argumente lautet daher: Bürokratieabbau, den sich die Regierung ebenfalls auf die Fahnen geschrieben hat. Die Bundesregierung begründet die geplanten Änderungen außerdem damit, dass Beamte oder der Staat gefährdet werden könnten. Bestimmte Bereiche müssten geschützt werden, wie kritische Infrastruktur, die Spionageabwehr, wissenschaftliche Forschung und Terrorismusbekämpfung, insbesondere mit Blick auf fremde Mächte.

Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagt, dass die Reform die Transparenz und Auskunftspflicht der Regierung bewahren würde. Vizekanzler Lars Klingbeil sagte im Sommerinterview der ARD, dass NGOs und Journalisten ihre Arbeit weitermachen könnten.

120 Organisationen wie FragDenStaat oder Abgeordnetenwatch fordern, dass die Reform verhindert wird. Auch Journalistenverbände wie der Deutsche Journalistenverband kritisieren das Vorhaben scharf. Die Opposition ist gegen die Reform, aber auch Teile der SPD. Auch Verfassungsrechtler äußern Bedenken, ebenso die Datenschutzbeauftragte des Bundes.

Für die Plattform FragDenStaat wären vor allem das gebündelte Stellen von Anträgen, aber auch eigene Recherchen nicht mehr möglich. FragDenStaat würde dann faktisch zu einem neuen Wikileaks, kündigt Arne Semsrott an, weil der reguläre Weg über das IFG dann wegfiele. Sollten die regulären Informationswege weitgehend versperrt werden, würden Journalisten wieder stärker auf Informanten und Whistleblower angewiesen sein. FragDenStaat kündigte bereits an, sich in diesem Fall stärker auf zugespielte Dokumente zu stützen. „Das kann eigentlich nicht im Sinne der Bundesregierung sein“, so Semsrott.

Dass Transparenz auch anders verstanden werden kann, zeigt Schweden. Dort gilt das Öffentlichkeitsprinzip bereits seit 1766 und ist damit das älteste Informationsfreiheitsgesetz der Welt. Grundsätzlich sind behördliche Dokumente öffentlich. Einschränkungen gelten nur für klar definierte Ausnahmefälle.

Für die schwedische Sektion von Reporter ohne Grenzen ist Transparenz ein wesentlicher Grund für das hohe Vertrauen in staatliche Institutionen. Axel Björklund, Leiter einer der renommiertesten Investigativredaktionen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens SVT, vertritt dieselbe Auffassung: Missstände würden zwar kurzfristig sichtbar, langfristig wachse dadurch jedoch das Vertrauen der Bürger in Behörden und Politik. Transparenz sei deshalb keine Belastung des Staates, sondern eine Voraussetzung für seine Glaubwürdigkeit.

Quelle: Deutschlandfunk, Netzpolitik.org

 

Angriffe auf Journalisten in Erfurt: Pressefreiheit darf nicht von der politischen Haltung abhängen

Die gewaltsamen Übergriffe auf Journalisten während der Proteste gegen den AfD-Parteitag in Erfurt haben eine bundesweite Debatte über den Schutz der Pressefreiheit ausgelöst. Betroffen waren Reporter des Online-Portals Apollo News sowie der Jungen Freiheit, die während ihrer Berichterstattung angegriffen wurden. Die Thüringer Polizei bestätigte die Vorfälle und hat Ermittlungen aufgenommen.

Nach Angaben von Apollo News filmten zwei Reporter und ein Kameramann das Demonstrationsgeschehen, als sich die Stimmung gegen sie zunehmend aufheizte. Zunächst wurden sie mit Rufen wie „Nazis raus“ beschimpft. Demonstranten versuchten anschließend, mit Plakaten und Transparenten gezielt die Kameras zu verdecken und die Berichterstattung zu verhindern. Wenig später eskalierte die Situation: Ein Reporter wurde zu Boden gestoßen, das Team zog sich zunächst zurück, wurde jedoch von einer größeren Gruppe weiterverfolgt. Dabei flogen Flaschen und andere Gegenstände. Schließlich wurden die Journalisten eingeholt, zu Boden gebracht und nach Angaben des Chefredakteurs Max Mannhart mehrfach getreten. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass einem am Boden liegenden Reporter gegen den Hinterkopf getreten worden sein soll. Erst das Eingreifen der Polizei beendete den Angriff. Alle drei Journalisten wurden verletzt und mussten medizinisch versorgt werden.

Auch ein Reporter der Jungen Freiheit wurde nach Angaben des Mediums tätlich angegriffen. Er erlitt einen Faustschlag, zudem wurde ihm das Mobiltelefon entrissen.

Die Angriffe wurden parteiübergreifend verurteilt. Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) erklärte, Gewalt dürfe niemals Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. Ähnliche Stellungnahmen kamen von CDU, Grünen und Linken.

Kritik richtet sich gegen das Aktionsbündnis „Widersetzen“. Auf der Abschluss-Pressekonferenz verweigerten die Veranstalter zunächst Fragen von Apollo News. Auf Nachfragen anderer Journalisten erklärte ein Sprecher, „Faschisten mit einem Presseausweis“ seien auf ihren Aktionen nicht willkommen. Diese Aussagen stießen auf erhebliche Kritik, weil sie den Eindruck erwecken, dass das Recht auf journalistische Berichterstattung von der politischen Einordnung eines Mediums abhängig gemacht werde.

Der Vorfall erinnert daran, dass Pressefreiheit unteilbar ist. Wer Journalisten an ihrer Arbeit hindert oder sie mit Gewalt einschüchtert, greift einen Grundpfeiler der Demokratie an – unabhängig davon, für welches Medium sie berichten.

Quellen: Focus, Apollo News


KI-Analyse der ARD-Tagesthemen: Neue Studie  entfacht Debatte über politische Ausgewogenheit


Die Frage, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk parteipolitisch ausgewogen berichtet, wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Eine neue Langzeitstudie der gemeinnützigen Initiative Glashaus Technologies liefert dieser Debatte nun neue Daten – und dürfte für intensive Diskussionen sorgen.

Für die Untersuchung wurden 2.911 Kommentare der ARD-Tagesthemen aus 5.597 Sendungen zwischen 2010 und 2025 analysiert. Mithilfe moderner KI-Verfahren verglichen die Autoren die Inhalte der Kommentare mit den jeweils gültigen Bundestagswahlprogrammen von sechs Parteien. Insgesamt flossen 16.226 Einzelbewertungen in die Auswertung ein.

Das Ergebnis ist bemerkenswert: Die Tagesthemen-Kommentare weisen nach Angaben der Studie über den gesamten Untersuchungszeitraum die größte inhaltliche Nähe zu den Programmen von Bündnis 90/Die Grünen und der SPD auf. Am weitesten entfernt liegen sie von der AfD, gefolgt von CDU/CSU. FDP und Die Linke bewegen sich dazwischen. Besonders auffällig: Dieses Muster zeigt sich über mehrere Legislaturperioden hinweg und ist nicht auf einzelne Jahre beschränkt. 

Die Autoren weisen zugleich ausdrücklich darauf hin, dass ihre Untersuchung keine Manipulation oder politische Einflussnahme belegen soll. Vielmehr gehe es darum, journalistische Meinungsbeiträge mit modernen Analysemethoden transparent und nachvollziehbar auszuwerten. Auch mögliche Verzerrungen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz werden offen angesprochen. Nach Auffassung der Autoren seien daher vor allem die relativen Unterschiede zwischen den Parteien aussagekräftig, weniger die absoluten Werte.

Interessant ist zudem ein weiterer Befund: Die nahezu identische Regierungsbeteiligung von CDU/CSU und SPD im Untersuchungszeitraum erklärt die Unterschiede nach Ansicht der Autoren nicht. Die beobachteten Abweichungen lassen sich daher nicht allein auf den Gegensatz zwischen Regierungs- und Oppositionsparteien zurückführen.

Für Journalisten ist die Studie unabhängig von ihrer politischen Bewertung von besonderem Interesse. Erstmals wird versucht, die oft emotional geführte Diskussion über politische Ausgewogenheit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit einer transparent dokumentierten Datengrundlage zu führen. Ob die Methodik überzeugt oder Widerspruch hervorruft, wird die Fachdebatte in den kommenden Monaten zeigen. Klar ist jedoch: Mit dem Einsatz moderner KI-Analyseverfahren eröffnen sich neue Möglichkeiten, journalistische Inhalte empirisch zu untersuchen – und damit auch die Diskussion über Qualität, Vielfalt und Vertrauen im Journalismus auf eine sachlichere Grundlage zu stellen.

Quelle: Glashaus Technologies


VEJ AKTUELL   

VEJ begleitet politischen Dialog in Berlin

Die Vereinigung Europäischer Journalisten hat Ende Mai eine politische Dialog- und Arbeitsreise nach Berlin begleitet und erneut ihre Rolle als unabhängige Plattform zwischen Politik, Wirtschaft und Medien unterstrichen. Gemeinsam mit SME Connect, der Taxpayers Association of Europe (TAE), dem Europäischen Wirtschaftssenat (EWS), dem Bund der Selbständigen Bayern (BDS) und dem RKW Baden-Württemberg stand der direkte Austausch über die Zukunft von Unternehmertum und Selbstständigkeit im Mittelpunkt.

                                

Höhepunkt war ein Arbeitsfrühstück im Deutschen Bundestag auf Einladung von Tobias Winkler MdB. VEJ-Präsident Dr. Ralf Schneider moderierte gemeinsam mit Dr. Horst Heitz die Diskussion zwischen Bundestagsabgeordneten und Unternehmern. Ziel war es, Politik und Praxis miteinander ins Gespräch zu bringen – offen, kritisch und ohne parteipolitische Scheuklappen.

Inhaltlich standen Themen auf der Agenda, die Unternehmer seit Jahren beschäftigen: Bürokratieabbau, steigende Energiepreise, Fachkräftemangel, Steuerbelastung und die Problematik der Scheinselbstständigkeit. Die Bundestagsabgeordneten Tobias Winkler und Christian Freiherr von Stetten erläuterten dabei ihre Positionen zu Wirtschafts- und Mittelstandspolitik. Auch die Vertreter der Wirtschaft machten deutlich, dass Deutschland wieder mehr Vertrauen in Unternehmertum und Eigenverantwortung brauche. Überraschend neue politische Akzente gab es zwar kaum, dennoch bot das Gespräch die Möglichkeit, Argumente unmittelbar auszutauschen und gegenseitiges Verständnis zu fördern.

Abgerundet wurde die Berlinreise durch ein Hintergrundgespräch mit Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler, sowie zahlreiche informelle Gespräche am Rande der Veranstaltung.

Die VEJ bedankt sich herzlich bei allen Gastgebern und Partnern – insbesondere bei Tobias Winkler MdB, SME Connect und der Taxpayers Association of Europe. Solche Veranstaltungen zeigen, wie wertvoll persönliche Begegnungen in einer zunehmend polarisierten politischen Debatte sind. Für die VEJ bleiben sie ein wichtiger Bestandteil ihres Selbstverständnisses: Brücken bauen, den Dialog fördern und journalistische Perspektiven in politische Diskussionen einbringen.

 

China-Reise der VEJ-Delegation

Die chinesische Medien- und Social-Media-Branche setzt offenbar verstärkt auf Internationalität und Austausch mit dem Westen. Jedenfalls laden Medienkonzerne und auch das chinesische Auslandsfernsehen CGTN (China Global Television Network), ein internationaler Fernsehsender wie Deutsche Welle und in Deutschland ohne Einschränkungen empfangbar, verstärkt Journalisten aus Deutschland zum Austausch ein. Eine erste Delegationsreise, professionell koordiniert durch das Generalkonsulat in München, unternahmen bayerische Medienexperten, unter anderem vom Oberbayerischen Volksblatt Rosenheim und vom Bayerischen Rundfunk; auch die VEJ war mit drei Mitgliedern vertreten.  

VEJ-Präsident Dr. Ralf Schneider: „Die Mittel, die in China in die Medien gesteckt werden, sind enorm, hier wird geklotzt und nicht gekleckert, sowohl bei der Ausstattung als auch beim Personal“. Das war in Peking bei CGTN zu besichtigen und auch beim Besuch einer Pressekonferenz des Außenministeriums.

Neben den klassischen Medien gibt China insbesondere im Bereich Social Media Gas. Das wurde im chinesischen „Silicon Valley“ bei der SICC Group in Chengdu deutlich. Dort kreieren die sehr dynamischen Macher ganze TikTok-Erlebniswelten rund um die Hauptattraktionen der Provinz Sichuan: Pandas, archäologische Funde und die spezielle Küche. Alles locker, hip, lässig, ohne die Anmutung einer technokratischen Steuerung. Es sind junge kreative Strategen am Werk, die auch in europäischen Agenturen trotz derzeit schwierigem Arbeitsmarkt gesuchte Alleskönner wären.

Abgerundet wurden die Präsentationen und Gespräche durch Einblicke in wirtschaftliche Großprojekte. So ist Chengdu Knoten und Startpunkt der Neuen Seidenstraße, der Bahnverbindung Chinas bis zu den Häfen Europas. Weiter südlich in Zhuhai konnte die Delegation sehen, was in China in nur acht Jahren Bauzeit entstand: die rund 55 Kilometer lange Brücke über das offene Meer bis Hongkong.

In Zhuhai nahe Shenzhen durften die Medienprofis aus Bayern auch die Produktion des größten Klimaanlagenherstellers Chinas ansehen und mit dem Management von Kingsoft (das chinesische Microsoft) über KI-Anwendungen diskutieren.          

Das Resümee von Ralf Schneider: „Eine durchaus ungewöhnliche Charme- und Offenheits-Offensive mit Begegnungen und Einblicken, die uns ein China abseits der täglichen Schlagzeilen zeigten.“ Die VEJ sprach im Anschluss eine Gegeneinladung für chinesische Kollegen aus.

 

TERMINE

22. bis 25. Oktober 2026 Rom, 63. Internationaler Kongress der European Journalists Association EJ

Unter dem Leitthema „Die Europäische Union in einer sich dramatisch verändernden Welt – die Verantwortung der Medien für die Bewahrung europäischer Werte im Zeitalter KI-gesteuerter Desinformation

diskutieren Journalisten sowie Fachleute aus Politik, Wissenschaft und Medien über die Zukunft Europas, notwendige institutionelle Reformen, die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie die Rolle unabhängiger Medien in einer zunehmend multipolaren Welt. Der genaue Veranstaltungsort wird noch bekannt gegeben, liegt aber im Zentrum von Rom.

Programm in Kürze

Donnerstag, 22. Oktober

Individuelle Anreise. Um 20 Uhr ist ein gemeinsames Abendessen auf Selbstzahlerbasis vorgesehen.

Freitag, 23. Oktober 

Ab 9 Uhr Registrierung der Teilnehmer, anschließend Eröffnung des Kongresses durch EJ-Präsident Dr. Dr. Paolo Magagnotti. Auf dem Programm stehen unter anderem Beiträge zu den notwendigen institutionellen Reformen der Europäischen Union, einer europäischen Sicherheits- und Verteidigungsstrategie sowie zur Rolle der Medien in einer multipolaren Welt.

Im weiteren Verlauf spricht unser VEJ-Präsident Dr. Ralf Schneider gemeinsam mit Giorgio Magagnotti über die Lehren aus dem Brexit. Außerdem stellt Helmut Hetzel sein Buch „Ungefiltert – unzensiert. Ein Auslandskorrespondent berichtet“ vor. Nach einem leichten Mittagsimbiss beginnt um 14.45 Uhr dann die Generalversammlung der EJ. Mitglieder der VEJ sind automatisch auch Mitglieder der European Journalists Association (EJ) und damit auch zur Mitgliederversammlung eingeladen. Abends lädt dann die EJ zu einem Dinner.

Samstag, 24. Oktober

Um 10 Uhr ist eine deutsch- beziehungsweise englischsprachige Führung durch die Kapitolinischen Museen geplant. Vorgesehen ist auch ein Gruppenfoto im Saal der Horatier und Curiatier, in dem 1957 die Römischen Verträge unterzeichnet wurden. Der Nachmittag steht zur freien Verfügung; um 20 Uhr folgt ein gemeinsames Abendessen auf Selbstzahlerbasis.

Sonntag, 25. Oktober

Individuelle Abreise.

Anmeldung und Teilnahmegebühr

Die Teilnahmegebühr beträgt 125 Euro pro Person und ist spätestens bis zum 1. Oktober 2026 auf das Konto der Europäischen Journalistenvereinigung in Luxemburg zu überweisen.

Kontoinhaber: Association des Journalistes Européens
Bank: Banque et Caisse d’Epargne de l’Etat
Anschrift: Place de Metz, L-2954 Luxembourg
IBAN: LU64 0019 6900 0492 4000
BIC: BCEELULL

In der Teilnahmegebühr enthalten sind die Kongressteilnahme, die Kaffeepause, ein leichter Mittagsimbiss und das Abendessen am Freitag sowie die Führung durch die Kapitolinischen Museen am Samstag.

Unterkunft/Hotelempfehlung

Die Hotelbuchung erfolgt individuell. Als preisgünstige Möglichkeit wird unter anderem das Hotel Villa dei Giuochi Delfici, Piazza dei Giuochi Delfici 15, genannt. Ein Einzelzimmer kostet dort 60 Euro pro Nacht, ein Doppelzimmer 100 Euro pro Nacht. Anfragen sind unter Hier: oder telefonisch unter +39 06 9558 4350 möglich.

Weitere Drei- und Vier-Sterne-Hotels können über Student Agency Travel gebucht werden:

  • Hotel Laurentia: ab 358 Euro pro Person für drei Nächte im Doppelzimmer
  • Hotel Pace Helvezia: ab 478 Euro pro Person für drei Nächte im Doppelzimmer
  • Hotel Laura: ab 280 Euro pro Person für drei Nächte im Doppelzimmer

Kontakt: Hier:, Telefon +420 542 42 42 42.

Alternativ vermittelt Diomira Travel Drei-Sterne-Unterkünfte mit guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Reservierungen sollen dort bis zum 15. August 2026 erfolgen: Hier:, Telefon +39 02 39 5608 41, Mobil +39 344 1301094.

Zusätzlich ist bei allen Hotels eine örtliche Übernachtungssteuer von derzeit 6 Euro pro Person und Nacht vor Ort zu entrichten. Auch individuelle Buchungen über gängige Hotel- und Ferienwohnungsportale sind möglich.

Anmeldung

Aus organisatorischen Gründen bitten wir bei einer Teilnahme, neben der Bezahlung der Tagungsgebühr, um eine kurze Anmeldung per Mail an Hier: sowie Hier:.

Wir schicken dann das Programm sowie Updates und halten Sie auf dem Laufenden.

19. Oktober 2026, Berlin
VEJ verleiht Ehrenmitgliedschaft an Waldemar Hartmann

Die Vereinigung Europäischer Journalisten (VEJ) verleiht am 19. Oktober 2026 in Berlin ihre Ehrenmitgliedschaft an Waldemar Hartmann. Mit der Auszeichnung würdigt die VEJ einen Journalisten, der nicht nur den deutschen Sportjournalismus über Jahrzehnte geprägt, sondern auch Generationen von Zuschauern begleitet hat.

Waldemar Hartmann zählt zu den bekanntesten Fernsehjournalisten Deutschlands. Während seiner Zeit beim Bayerischen Rundfunk wurde er zu einem der prägenden Gesichter der ARD-Sportberichterstattung. Millionen Zuschauer kennen ihn als Moderator der „Sportschau“, des „Sportstudios“, von Olympischen Spielen, Fußball-Welt- und Europameisterschaften sowie zahlreicher weiterer Großereignisse. Seine Interviews mit Sportlern, Trainern und Funktionären galten stets als direkt, hartnäckig und zugleich respektvoll. Hartmann verstand es wie kaum ein anderer, Fachkompetenz mit Unterhaltung zu verbinden.

Auch nach seinem Ausscheiden aus der ARD blieb er publizistisch aktiv – unter anderem als Gründer und Moderator von TV Weiß-Blau sowie zuletzt als regelmäßiger Kommentator und Gesprächspartner bei NIUS. Seine unverwechselbare Art, sein Gespür für Geschichten und seine Leidenschaft für den Sport machen ihn bis heute zu einer festen Größe der deutschen Medienlandschaft.

Mit der Ehrenmitgliedschaft würdigt die VEJ nicht nur seine journalistischen Leistungen, sondern auch seinen Einsatz für einen unabhängigen, meinungsstarken und publikumsnahen Journalismus. Waldemar Hartmann steht für eine Generation von Journalisten, die Nähe zu ihren Gesprächspartnern suchten, ohne ihre kritische Distanz aufzugeben, und die das Interview stets als journalistisches Handwerk verstanden – nicht als Inszenierung.

Die Verleihung findet im Rahmen eines exklusiven journalistisch-politischen Medienabends in Berlin statt. Die Veranstaltung ist bewusst klein gehalten und soll weniger Gala als Begegnung sein – mit Persönlichkeiten aus Journalismus, Sport, Politik und Wirtschaft, kurzen offiziellen Beiträgen und viel Raum für persönliche Gespräche. Geplant sind eine Laudatio eines langjährigen Weggefährten sowie die feierliche Übergabe der Ehrenmitgliedschaft durch die VEJ. Gesonderte Einladung folgt.

04.–08. September:IFA, Berlin – Internationale Leitmesse für Consumer Electronics und Medieninnovationen. Das weltweit größte Event für Home & Consumer Tech

IFA ist der Treffpunkt für globale Innovatoren, Vordenker, Fachleute und Konsumenten, die zusammenkommen, um Impulse zu setzen und die Zukunft der Tech-Welt gemeinsam zu gestalten. Für Journalisten viele Anknüpfungspunkte.

9. September: scoopcamp, Hamburg – Das Innovationsevent für Publisher und Medienmacher. Die Fachkonferenz zur Finanzierung von Journalismus

Einmal im Jahr bringt das scoopcamp über 150 Entscheider aus der Medienbranche für einen Tag in Hamburg zusammen, um über die wirtschaftliche Zukunft des Journalismus zu sprechen. Im Mittelpunkt stehen tragfähige Geschäftsmodelle, strategische Perspektiven und konkrete Erfahrungen aus der Praxis. Vom Publisher bis hin zu Medienmanagern: Raum für Austausch, der über klassische Konferenzimpulse hinausgeht. Kompakt, hochkarätig und nah an den Herausforderungen der Branche.

17.–18. September: Kommunikationskongress, Berlin (und digital) – Führendes Jahrestreffen für die PR- und Kommunikationsbranche. Der Kommunikationskongress 2026. Das Fokusthema in diesem Jahr: HALT. Ein Wort, zwei Richtungen: innehalten in einer Welt, die von geopolitischer Neuausrichtung, zerfallenden Allianzen und KI-Revolution aufgewühlt wird – und gleichzeitig der Anspruch von Kommunikatoren, Stabilität, Zusammenhalt und Rückhalt zu schaffen. Der KKongress bringt zum 23. Mal die deutschsprachige Kommunikationscommunity in Berlin und digital zusammen, um Trends und Tasks 2026 in PR, Comms, Medien und Politik zu diskutieren.

23.–24. September: Österreichische Medientage, Wien – Die Medientage von HORIZONT sind der bedeutendste Kongress der Medien- und Kommunikationsbranche in Österreich. Die Veranstaltung versteht sich als Impulsgeber für neue Strategien und Ansätze, sie dient als Plattform zum Austausch und zur Netzwerkerweiterung im großen Forum wie auch bei exklusiven Side-events. Hier versammelt sich jährlich das Who is Who aus Österreichs Medien, Politik und werbetreibender Wirtschaft sowie eine Vielzahl internationaler Top-Speaker.

28.–30. September: Bits & Pretzels 2026, München – Wenn Lederhosen auf Laptop-Millionäre treffen, ist wieder Bits & Pretzels. Das dreitägige Gründerfestival ist längst eine Institution und zieht jährlich 5.000 Entrepreneurs, Investoren und Medienmacher nach München. Berichten Sie über angesagte Start-up-Storys. Lernen Sie die Gründer kennen, über die bald alle sprechen werden. Als akkreditierter Medienvertreter oder Content Creator bei Bits & Pretzels erhalten Sie exklusiven Zugang zu den spannendsten Persönlichkeiten aus der europäischen Tech-, Start-up- und Wirtschaftsszene – darunter erstklassige Speaker, die die Zukunft maßgeblich mitgestalten.

21.–23. Oktober: Medientage München

Die MTM sind das „Must-Attend“-Event für die gesamte deutsche Medienbranche und zählen zu den bedeutendsten Fachkongressen in Europa. Drei Tage lang verwandelt sich München in eine riesige Denkfabrik für Journalismus, TV, Audio und Publishing.
 

HAMMER DES QUARTALS

Gebührenmillionen, Belehrungsfernsehen und ein Bundestrainer außer Reichweite

Eine Fußball-Weltmeisterschaft ist für Sportredaktionen das, was eine Bundestagswahl für politische Journalisten ist: der Moment, in dem sich jahrelange Vorbereitung, personelle Auswahl und journalistischer Anspruch bewähren müssen. Bei der WM 2026 haben ARD und ZDF diese Prüfung nicht bestanden. Die Spiele waren da, die Bilder waren da, das Publikum ebenfalls. Was zu oft fehlte, waren Präzision, Leichtigkeit, kritische Distanz und der unbedingte Wille, den Sport zum Mittelpunkt der Übertragung zu machen. 

Natürlich erzielten die öffentlich-rechtlichen Sender weiterhin enorme Reichweiten. Das deutsche 7:1 in der Vorrunde sahen im Ersten nach endgültiger Gewichtung rund 24 Millionen Menschen. Auch andere Spiele erreichten regelmäßig hohe Marktanteile. Der Erfolg beweist allerdings zunächst nur, dass eine Fußball-Weltmeisterschaft ein Publikumsmagnet ist. Er beweist nicht, dass die journalistische Begleitung überzeugte. Wer ein begehrtes Großereignis frei empfangbar zeigt, wird gesehen. Die entscheidende Frage lautet: Was machte der Sender aus diesem Privileg?

MagentaTV kaufte nicht nur Rechte, sondern Kompetenz

Die ernüchternde Antwort lieferte ausgerechnet ein Bezahlsender. MagentaTV zeigte alle 104 Begegnungen, darunter 44 exklusiv, und stellte mit Johannes B. Kerner, Jürgen Klopp, Thomas Müller, Mats Hummels, Tabea Kemme, Laura Wontorra und Wolff Fuss ein Team zusammen, das Erfahrung, Fachwissen und Unterhaltung verband. Das flexible Monatsabonnement kostete elf Euro. Dennoch erklärten zahlreiche Zuschauer in sozialen Netzwerken und Fußballforen, sie hätten bei parallel übertragenen Begegnungen bewusst auf MagentaTV gewechselt. Dass die Telekom von ihrer erfolgreichsten Woche überhaupt sprach und das Angebot die eigenen Erwartungen übertroffen habe, zeigt aber, dass die Alternative angenommen wurde.

Die Fachpresse kam zu einem ungewöhnlich klaren Urteil. DWDL schrieb, ARD und ZDF sähen gegen Klopp und seine Mitstreiter „alt aus“. MagentaTV habe sich mit seinem Personal auf die „Pole Position“ gesetzt. Andere Beobachter bescheinigten dem Bezahlsender, die Öffentlich-Rechtlichen bei der Qualität der WM-Berichterstattung nicht selten abzuhängen. Das ist bemerkenswert: Bürger finanzieren ARD und ZDF verpflichtend mit Milliardenbeträgen – und zahlen anschließend freiwillig noch einmal elf Euro, um eine Berichterstattung zu erhalten, die sie als fachkundiger und angenehmer empfinden.

MagentaTV verstand dabei etwas, das in den öffentlich-rechtlichen Sportredaktionen offenbar gelegentlich verloren gegangen ist: Eine Fußballübertragung darf klug sein, ohne sich wichtigzumachen. Sie darf unterhalten, ohne albern zu werden. Und sie darf analysieren, ohne das Spiel als lästige Unterbrechung einer gesellschaftspolitischen Grundsatzsendung zu behandeln.

Besonders schmerzhaft waren die handwerklichen Schwächen am Mikrofon. Bei Claudia Neumann entzündete sich erneut eine Debatte. Auch wohlwollende Analysen räumten ein, dass Neumann bei dieser WM wiederholt Spielernamen verwechselte, Namen fehlerhaft aussprach und Spielsituationen verspätet oder unzutreffend erfasste. Ein Medienwissenschaftler formulierte dazu treffend: Entscheidend sei die Häufigkeit der handwerklichen Fehler – irgendwann mache die Dosis das Gift. In Zuschauerforen wurden unter anderem Verwechslungen bei Spielern und sogar die Formulierung „Dominikanische Republik Kongo“ statt Demokratische Republik Kongo kritisiert.

Gerade bei einem Weltturnier ist die korrekte Aussprache von Namen keine Nebensache. Sie ist eine Frage des Respekts gegenüber Spielern und Nationen – und ein Mindeststandard professioneller Vorbereitung. Man darf von hoch bezahlten Sportredaktionen aber erwarten, dass ihre Reporter Mannschaften, Akteure und politische Geografie sicher beherrschen.

Das ZDF reagiert auf Kritik an Neumann seit Jahren vor allem mit dem Hinweis auf Hass und Sexismus. Dieser Hinweis ist berechtigt, aber unvollständig. Eine Redaktion schützt ihre Mitarbeiter nicht dadurch, dass sie jede fachliche Beanstandung moralisch verdächtig macht. Sie schützt sie durch Auswahl nach Qualität, ehrliche Fehleranalyse und nachvollziehbare redaktionelle Standards.

Die Eröffnungsfeier verpasst – wegen Werbung

Schon der Auftakt geriet zum Symbol für die falschen Prioritäten. Das ZDF schaltete erst sieben Minuten nach Beginn zur lediglich rund 20 Minuten langen Eröffnungsfeier im Aztekenstadion. Während MagentaTV die Veranstaltung vollständig zeigte, sah das ZDF-Publikum zunächst Werbung. Der Sender erklärte anschließend, er sei verpflichtet, einen Teil seines Haushalts durch Werbeeinnahmen zu finanzieren.

Das mag formal korrekt sein. Es bleibt trotzdem grotesk. Ein beitragsfinanzierter Sender erwirbt für viel Geld die Rechte an einem weltweiten Großereignis – und verpasst dessen Beginn, weil noch Werbespots untergebracht werden müssen. Das ist kein technisches Missgeschick, sondern eine redaktionelle Entscheidung. Sie verrät, welchen Stellenwert das Ereignis und die Erwartungen der Zuschauer tatsächlich hatten.

Noch auffälliger war die inhaltliche Gewichtung vor dem Eröffnungsspiel. Kritiker warfen dem ZDF vor, sich ausführlicher mit Donald Trump, der FIFA und den politischen Begleitumständen zu beschäftigen als mit der bevorstehenden Weltmeisterschaft. NIUS sprach davon, dem Sender seien „Trump-Bashing und Werbung“ wichtiger gewesen als die Eröffnungsfeier. Die Wortwahl ist zugespitzt, der zugrunde liegende Befund aber diskussionswürdig.

Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino boten genügend Anlass für kritische Fragen. Doch Kritik verliert an Wirkung, wenn das Urteil schon vor dem Beitrag feststeht. Problematisch wird es, wenn Einordnung zur permanenten Anklage wird und Zuschauer den Eindruck erhalten, der Sport müsse sich fortwährend für seine Existenz rechtfertigen.

Kritisch zu Trump, zahm gegenüber Nagelsmann

Am deutlichsten zeigte sich die Schieflage beim Umgang mit Julian Nagelsmann. Der Bundestrainer trat während des Turniers wiederholt gereizt, abweisend und kommunikativ fahrig auf. Vor dem Spiel gegen Paraguay bügelte er im ZDF-Interview mit Lili Engels gleich zwei Fragen ab. Später beschrieben Reporter seine Kommunikation mit Spielern und Medien als schwach und seine öffentlichen Auftritte als trotzig. Sky berichtete über Sprachmemos, Unzufriedenheit im Team, Kritik am Betreuerstab, ein fragwürdiges Trainingsquartier und eine fehlende spielerische Identität.

MagentaTV-Kommentator Christian Straßburger formulierte nach dem Ausscheiden, Nagelsmann habe Journalisten „für blöd verkauft“. Sein Verhalten sei „respektlos und unverschämt“ gewesen. Auch ehemalige Nationalspieler kritisierten die unklare Kommunikation, die Rollenverteilung und die taktischen Entscheidungen des Bundestrainers.

Ein Bundestrainer ist kein gewöhnlicher Vereinstrainer. Er repräsentiert eine öffentlich stark geförderte Sportorganisation und eine Mannschaft, die für Millionen Menschen von besonderem Interesse ist. Wer Kritik an seiner Arbeit mit herablassenden Antworten quittiert, muss mit konsequentem Nachfragen rechnen. Genau das geschah zu selten. Nagelsmann durfte seine Botschaften setzen, Fragen verkürzen, Journalisten abkanzeln und sich der vertieften Auseinandersetzung entziehen.

Ein einzelnes scharfes Interview reicht nicht. Journalistische Hartnäckigkeit zeigt sich darin, dass eine unbeantwortete Frage erneut gestellt wird – von der eigenen Redaktion und notfalls vom nächsten Kollegen. Stattdessen wirkte das Verhältnis zwischen DFB und Teilen der öffentlich-rechtlichen Sportberichterstattung über weite Strecken wie eine sensible Betreuungsgemeinschaft. Man wollte Zugang, Nähe und Exklusivität offenbar nicht durch zu viel Widerspruch gefährden.

Das ist das eigentliche Ärgernis: Gegen den fernen Donald Trump und die unbeliebte FIFA lässt sich gefahrlos Haltung zeigen. Gegenüber dem Bundestrainer, dessen Interviews, Trainingseinblicke und Hintergrundgespräche man täglich braucht, wird die Stimme plötzlich leiser.

Der öffentlich-rechtliche Auftrag verlangt mehr

ARD und ZDF haben auch bei dieser WM gute Reportagen, starke Einzelinterviews und sachkundige Analysen geliefert. Das ZDF bot mit Christoph Kramer, Per Mertesacker und Christian Streich durchaus interessante Experten. Die ARD erreichte mit Esther Sedlaczek und Bastian Schweinsteiger ein großes Publikum. Im internationalen Vergleich ist die deutsche Fußballberichterstattung keineswegs generell schlecht. Aber das ist ein niedriger Maßstab. Von einem öffentlich-rechtlichen System, das finanziell und technisch so privilegiert ist wie das deutsche, darf man mehr verlangen als ordentliche Bilder, bekannte Gesichter und hohe Quoten.

Man darf eine Redaktion erwarten, die Namen korrekt ausspricht. Die den Beginn einer Eröffnungsfeier nicht zugunsten von Werbung verpasst. Die politische Kritik nicht zur vorhersehbaren Begleitmusik macht. Die einem Bundestrainer nicht nur das Mikrofon hinhält, sondern Antworten verlangt. Und die ihre Qualität nicht daran misst, ob Millionen zuschauen, obwohl es im frei empfangbaren Fernsehen kaum eine Alternative gibt.

Der Hammer des Quartals ist deshalb nicht ein einzelner Versprecher und auch nicht eine misslungene Moderation. Es ist die Tatsache, dass ein beitragsfinanziertes Milliardenangebot bei seinem wichtigsten Sportereignis von einem Bezahlsender journalistisch vorgeführt wurde.