Newsletter Mai 2026
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Es gibt diese Momente, in denen man spürt: Die großen Linien verschieben sich und unser Beruf steht wieder im Zentrum. Genau das erleben wir derzeit gleich an mehreren Fronten.
Die Diskussion um den sogenannten „Browser Consent“ ist dafür ein gutes Beispiel. Was technisch daherkommt, ist in Wahrheit eine machtpolitische Frage: Wer steuert künftig den Zugang zu Informationen, zu Reichweite, zu Geschäftsmodellen? Wenn Einwilligungen über Voreinstellungen großer Systeme laufen, dann entscheiden nicht mehr mündige Nutzer – sondern wenige globale Anbieter. Für Medienvielfalt, für unabhängigen Journalismus und für viele unserer Mitglieder ist das keine akademische Debatte, sondern eine existenzielle. Deswegen hat sich der VEJ auch öffentlich dazu zu Wort gemeldet.
Gleichzeitig treiben wir als VEJ unsere eigene Initiative voran, um in genau diesem Spannungsfeld eine Rolle zu spielen: als „Trusted Flagger“. Die Rückmeldung aus der Politik ist eindeutig: Unser Anliegen wird ernst genommen, auch wenn das Verfahren formal bei den zuständigen Stellen liegt. Entscheidend ist: Wir haben das Thema gesetzt. Und wir werden weiter dafür kämpfen, dass journalistische Expertise dort eingebunden wird, wo es um die Qualität und Einordnung von Informationen im digitalen Raum geht.
Mindestens genauso wichtig – und für mich persönlich besonders erfreulich – sind unsere Veranstaltungen in diesem Jahr. Der Austausch im kleinen Kreis mit dem stellvertretenden Regierungssprecher Sebastian Hille in Berlin hat gezeigt, wie groß der Bedarf an fundierter, vertrauensvoller Einordnung ist – und wie sehr unsere Stimme gehört wird.
Und auch die Diskussion im PresseClub München hat genau das geliefert, was Journalismus leisten muss: Reibung, Perspektiven, offene Debatte über die Zukunft unseres politischen Systems. Wenn dort ernsthaft über neue Formen des Regierens nachgedacht wird, dann ist das kein Elitenthema – sondern Stoff für unsere tägliche Arbeit.
Was nehme ich daraus mit? Erstens: Journalismus wird wieder gebraucht. Nicht als Kommentarschleife, sondern als Ordnungsinstanz. Zweitens: Wir müssen uns selbstbewusst in die großen regulatorischen und gesellschaftlichen Debatten einbringen. Und drittens: Unsere Stärke liegt genau dort, wo andere schwächer werden – in Einordnung, Netzwerk und persönlichem Austausch.
Oder einfacher gesagt: Es war selten so anspruchsvoll, Journalist zu sein. Aber auch selten so spannend.
Herzlich
Ihr
Dr. Ralf Schneider
Präsident der Vereinigung Europäischer Journalisten
WICHTIGE NACHRICHTEN
EU-Sanktionen gegen Journalisten: Kallas liefert keine Belege für Russland-Verbindung
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas steht wegen fehlender Belege für Journalistensanktionen in der Kritik.
Die Sanktionierung des Berliner Journalisten Hüseyin Dogru und des Schweizer Ex-Militärs und Autors Jacques Baud durch die Europäische Union sorgt zunehmend für Kritik aus Politik und Zivilgesellschaft. Im Zentrum steht vor allem die Frage nach den Belegen für die schwerwiegenden Maßnahmen und deren Vereinbarkeit mit rechtsstaatlichen Grundsätzen.
Der BSW-Vorsitzende und Europaabgeordnete Fabio De Masi wandte sich deshalb mit einer Anfrage an die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas. Darin wollte er wissen, welche konkreten Beweise der Entscheidung zugrunde liegen, Dogru und Baud wegen angeblicher „russischer Propaganda“ zu sanktionieren.
Der Journalist Hüseyin Doğru ist nie wegen einer Straftat angeklagt worden. Trotzdem musste er im vergangenen Jahr seinen Ausweis abgeben, seine Konten wurden gesperrt, und er darf nicht mal Geschenke annehmen. Beziehungsweise: Wer ihm etwas schenkt oder ihn zum Essen einlädt, macht sich strafbar. Bislang suggerierten die EU und die deutsche Politik, solch kafkaeske Behandlung könne nur in autoritären Staaten wie Russland geschehen.
Doch Doğru ist deutscher Staatsbürger mit kurdischen Wurzeln. Am 20. Mai 2025 wurde er auf die Sanktionsliste der EU gesetzt. Seitdem muss er Anträge an eine EU-Behörde stellen, um von seinem Konto Geld für das Lebensnotwendigste abzuheben. Er kann auch nicht als Journalist arbeiten, weil die Zahlung von Honoraren an ihn nun strafbar ist.
Doğru hatte 2023 die Medienplattform »Red Media« aufgebaut und dort unter anderem über Aktivitäten der außerparlamentarischen Linken wie Besetzungsaktionen propalästinensischer Aktivisten berichtet. Von den EU-Sanktionsbehörden wird ihm vorgeworfen,"falsche Informationen über politisch kontroverse Themen zu verbreiten, mit der Absicht, unter seinem überwiegend deutschen Zielpublikum ethnische, politische und religiöse Zwietracht zu säen". Die Sanktionen betreffen Doğru und seine Familie existenziell.
Über das jeder Rechtsstaatlichkeit widersprechende Sanktionsregime der EU hat der österreichische Publizist Hannes Hofbauer jetzt das Buch "Aller Rechte beraubt" verfasst. Darin geht er auch auf die erst im Dezember 2025 verhängten Maßnahmen gegen den konservativen Militäranalysten Jacques Baud ein. Der Schweizer wurde beschuldigt, russische Propaganda zu verbreiten, was er bestreitet. Hofbauer trifft den Kern des Problems, wenn er schreibt: „Würde die Europäische Union im rechtsstaatlichen Rahmen agieren – und nicht mittels willkürlichem Erlass –, dann hätte Baud nach einer Anklageerhebung eine gerichtliche Vorladung erhalten.“
Quelle: Berliner Zeitung
EU-Kommission will Altersnachweis per App
Mit einer amtlichen Software sollen EU-Bürger ihr Alter im Internet verifizieren. Damit möchte Brüssel nationale Alleingänge bei Social-Media-Verboten vermeiden.
Mit einer neuen App zur Altersverifizierung unterstützt die EU-Kommission die Initiativen vieler Mitgliedstaaten, Social-Media-Plattformen für Kinder und Jugendliche zu verbieten. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verkündete, dass die App technisch vollendet sei und den Bürgern bald zur Verfügung stehen solle. Nationale Alleingänge für weitgehende Verbote von Plattformen wie TikTok, Instagram und Snapchat will die Kommission verhindern.
Von der Leyen verurteilte in ihrer Stellungnahme das Geschäftsmodell vieler Internetkonzerne. "Social-Media-Plattformen setzen auf Designs, die stark süchtig machen – endloses Scrollen, das die Sucht schürt, kurze Videos, die die kurze Aufmerksamkeitsspanne ausnutzen, sowie hochgradig personalisierte und zielgerichtete Inhalte."
Mit der verschärften Gangart kommt die Kommissionspräsidentin dem Druck aus den Mitgliedstaaten entgegen: Viele Länder haben bereits Pläne zum Verbot von Social-Media-Apps für Kinder und Jugendliche verkündet, unter anderem Frankreich, Dänemark, Großbritannien und Spanien. Allerdings sind sich die Regierungen bei der genauen Altersgrenze uneins. Auch in Deutschland wird eine solche Lösung derzeit debattiert, Bildungs- und Familienministerin Karin Prien (CDU) hat eine Expertengruppe eingesetzt, die bis zum Sommer Lösungen erarbeiten soll.
Großes Vorbild ist Australien, das in einem Hauruckverfahren ein Social-Media-Verbot bis 16 Jahre in Kraft gesetzt hatte. Um die Regelung schnell durchzusetzen, hatte die Regierung auf amtliche Lösungen zur Altersverifizierung verzichtet. Stattdessen genehmigte die zuständige Regulierungsbehörde den Plattformen eine Vielzahl technischer Lösungen, etwa die Verifizierung per Videochat. Die betroffenen Firmen mussten auch nicht das Alter aller Nutzer überprüfen.
Folge: Zwar meldeten die Plattformen Millionen stillgelegter Accounts von Minderjährigen. In der Praxis haben die meisten Jugendlichen in der Regel keine Schwierigkeiten, die Altersgrenze zu umgehen, falls sie überhaupt auf zur Altersprüfung aufgefordert wurden. Nun plant Australien Nachbesserungen.
Kritiker sehen ein pauschales Verbot für unter 16-Jährige als unverhältnismäßigen Eingriff in die digitale Meinungsfreiheit, da soziale Netzwerke längst zentrale Räume öffentlicher Kommunikation darstellen. Besonders kritisch sind die praktischen Folgen einer solchen Regulierung: Um Altersgrenzen durchzusetzen, wären umfassende Identitätsprüfungen notwendig, die faktisch das Ende anonymer oder pseudonymer Meinungsäußerung im Netz bedeuten könnten. Damit, so die Argumentation, entstünde ein strukturelles Risiko für Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung. Zugleich wird die Wirksamkeit eines Verbots bezweifelt – technische Umgehungsmöglichkeiten seien naheliegend, während die eigentlichen Probleme wie algorithmische Verstärkung problematischer Inhalte oder mangelnde Medienkompetenz ungelöst blieben. Zahlreiche Journalisten formulieren ihre grundsätzliche Skepsis gegenüber staatlicher Regulierung digitaler Kommunikationsräume und plädieren für mehr Eigenverantwortung statt pauschaler Verbote.
SPD und Linke haben sich bislang gegen ein Verbot ausgesprochen und stattdessen für strengere Regeln im Umgang mit Plattformen geworben. Der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Lars Klingbeil sagte in einem Interview mit der Rheinpfalz: "Vor ein paar Jahren hätte ich jede Beschränkung abgelehnt, heute sehe ich das anders und glaube, wir kommen an klaren Regeln und Einschränkungen nicht mehr vorbei." Insbesondere die Plattformen müssten stärker in die Verantwortung genommen werden.
Die CSU stellt sich gegen die von CDU und SPD geplante Altersgrenze für soziale Netzwerke. Landesgruppenchef Alexander Hoffmann spricht von einer realitätsfernen Verbotsdebatte.
„Diese Verbotsdebatte geht an der Wirklichkeit vorbei“, sagte Hoffmann der Augsburger Allgemeinen. Den richtigen Umgang mit Social Media lernten Kinder und Jugendliche nicht durch Verbote. Stattdessen müsse die Medienkompetenz gestärkt und zugleich der Schutz vor jugendgefährdenden Angeboten verbessert werden. Hoffmann fordert, die Plattformbetreiber stärker in die Verantwortung zu nehmen. Die Politik solle die Anbieter in die Pflicht nehmen, „anstatt Kindern und Jugendlichen mit pauschalen Verboten den Raum zur Ausbildung digitaler Fähigkeiten zu nehmen“. Ein generelles Mindestalter hält die CSU damit für den falschen Ansatz.
Auch das Deutsche Kinderhilfswerk stellt sich gegen ein umfassendes Verbot. Die Organisation erklärte: „Kinder von den größten sozialen Räumen im Netz auszuschließen, weil wir Gesetze und Normen nicht durchzusetzen wagen, ist ein Eingeständnis des Scheiterns.“ Statt eines Ausschlusses müssten Social-Media-Anbieter stärker in die Verantwortung genommen werden.
Quelle: DIE ZEIT, epd, wil
Topjournalist aus Europa wegen erfundener KI‑Zitate suspendiert
Peter Vandermeersch habe Dutzende erfundene Zitate in seinen Artikeln für das niederländische Medienhuis verwendet, so der Vorwurf.
„Es gibt Zitate, die in den Publikationen, aus denen Vandermeersch sie nach eigenen Angaben übernommen hat – etwa Nachrichtenartikel und wissenschaftliche Studien –, nicht auffindbar sind“, heißt es. Sieben der dort zitierten Personen bestätigten, dass sie die ihnen zugeschriebenen Sätze nie gesagt haben.
Vandermeersch war von 2022 bis 2025 Geschäftsführer von Mediahuis Ireland. Danach wurde er Fellow für Journalismus und Gesellschaft bei dem europäischen Verlagshaus. Aus dieser Funktion ist er nun vorläufig entbunden. Er bestätigte die Suspendierung in seinem Blog.
Auf Substack schrieb Vandermeersch, er habe sich auf Tools wie ChatGPT, Perplexity und Googles Notebook verlassen, um lange Berichte zusammenzufassen, und den Ergebnissen vertraut. Stattdessen hätten die Systeme Zitate erfunden und damit letztlich „Menschen Worte in den Mund gelegt“, erklärte er. „Das war nicht nur nachlässig, es war falsch“, schrieb er. „Besonders schmerzhaft ist für mich, dass ich genau den Fehler gemacht habe, vor dem ich Kolleginnen und Kollegen immer wieder gewarnt habe: Diese Sprachmodelle sind so gut, dass sie unwiderstehliche Zitate produzieren, die man als Autor nur zu gerne übernimmt.“
Vandermeersch sagte, er habe das Problem erstmals im vergangenen Jahr entdeckt, als in zwei seiner Artikel KI-generierte Zitate auffielen. Er korrigierte die Texte damals nicht. „Als mir das vor einigen Monaten klar wurde, ist meine Begeisterung gesunken – und damit auch meine Nutzung von KI“, so Vandermeersch. Er sagte, er nutze solche Werkzeuge weiterhin für Übersetzungen, die Ideensuche, Überschriften und mögliche Erzählperspektiven. Allerdings inzwischen mit „weitaus weniger naivem Vertrauen als früher“.
Quelle: Euronews, Gazetta Express
Eurosky startet Angriff auf Big Tech
In Europa ist eine neue Infrastrukturplattform für soziale Medien an den Start gegangen. Sie verspricht den Nutzern die vollständige Kontrolle über ihre Daten und will damit Konzernen wie Meta und X Konkurrenz machen.
Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen Brüssel und den US-Technologiekonzernen, die die sozialen Netzwerke beherrschen. Meta und andere Plattformen geraten zunehmend unter Druck, weil sie mit angeblich suchterzeugendem Design arbeiten. Im Dezember verhängte die Europäische Kommission gegen Elon Musks X die bislang höchste Geldstrafe wegen Verstößen gegen Transparenzregeln. Parallel dazu erzeugte der KI-Chatbot Grok des Unternehmens nicht-einvernehmliche Deepfake-Nacktbilder. Rund fünfzig Europaabgeordnete forderten daraufhin die Europäische Kommission auf, „jetzt europäische soziale Medien aufzubauen“.
Die neue Initiative mit Sitz in den Niederlanden heißt Eurosky und ist keine eigene Social-Media-Plattform. Sie stellt den Nutzern jedoch eine einheitliche digitale Identität zur Verfügung. Darüber sollen sie die vollständige Hoheit über ihre Daten behalten, die auf europäischen Servern liegen und dem EU-Recht unterliegen.
Mit dieser digitalen Identität können sie sich mit dem AT-Protokoll verbinden. Dieses Rahmenwerk bildet die technische Grundlage für Dienste wie das soziale Netzwerk Bluesky und weitere Apps.
„Der soziale Teil ist von Big Tech chirurgisch entfernt worden. Die eigentliche Chance besteht darin, das Soziale in den sozialen Medien zurückzubringen“, sagte Sebastian Vogelsang, Mitgründer von Eurosky und Geschäftsführer der Flashes.app, einem auf Bluesky basierenden Instagram-Konkurrenten, in einer Medienrunde.
„Nur in einem florierenden Ökosystem für Innovationen im Bereich sozialer Netzwerke können wir die Dominanz von Meta, X, Alphabet und ByteDance ernsthaft infrage stellen“, sagte Vogelsang. Derzeit stützt sich Eurosky jedoch noch teilweise auf die Kerninfrastruktur von Bluesky, vor allem bei der Moderation von Inhalten. Nach eigenen Angaben arbeitet Eurosky an einem Fahrplan zur vollständigen Eigenständigkeit. Geplant ist unter anderem ein gemeinsames System zur Inhaltsmoderation, das europäische App-Entwickler lizenzieren können.
Der Organisation gehören Unternehmer, Technikexperten und zivilgesellschaftliche Gruppen an. Mit dabei ist unter anderem Robin Berjon, früher Datenstratege bei der New York Times.
Quelle: Euronews, Handelsblatt
Georg Restle (ARD): Endstation Nairobi
Was haben Kenia und Sibirien gemeinsam? Beides sind Endstationen in der Peripherie für jene, die im Zentrum zu viel Staub aufgewirbelt haben. Wo die Zaren einst unliebsame Geister in den Frost schickten, nutzt der WDR heute die Hitze Äquatorialafrikas: Georg Restle wird nicht befördert, er wird entsorgt. 6.000 Kilometer Luftlinie sind kein Karriereschritt, sondern das notwendige Sicherheitsintervall zwischen einem unbequemen Aktivisten und dem Kölner Intendanten-Sessel.
Zuerst hieß es noch dezent, Restle bekomme nach seinem Abschied nach 13 Jahren als Chef von Monitor „für den Senderverbund eine neue Aufgabe“., Restle übernehme „die Leitung des crossmedialen ARD-Studios Nairobi. Das ist nicht einfach eine Degradierung. Es ist eine Verbannung. Sein Kommentar: „Neuer Job auf eigenen Wunsch: Ab Juni werde ich aus Nairobi über einen so spannenden wie chronisch unterberichteten Kontinent berichten.“
Restle verkauft die Abschiebung in die journalistische Steppe als heldenhaften Aufbruch – als wäre er der erste Entdecker, der für die ARD den afrikanischen Staub aufwirbelt. Doch die Geografie lügt nicht: Wer vom einflussreichen Polit-Olymp in Köln direkt nach Nairobi durchgereicht wird, tritt keine Forschungsreise an, sondern den Rückzug ins Relevanz-Vakuum. Dass der chronisch gallige Überzeugungstäter dabei von Senegal bis Somalia patrouillieren darf, klingt weniger nach journalistischer Freiheit als nach einem gigantischen Auslaufmodell für einen Mann, dem man im heimischen Funkhaus schlicht das Mikrofon abgedreht hat. Demut sieht anders aus; das ist das Pfeifen im afrikanischen Wald.
Dass der Vorhang für Restle bereits am 26. März gefallen ist – nach nur einer letzten Sendung –, spricht Bände. Wer so überstürzt vom Bildschirm komplimentiert wird, um dann dreieinhalb Monate lang im administrativen Nirgendwo auf sein Visum zu warten, geht nicht erhobenen Hauptes. Er wird kaltgestellt. Man muss es erst einmal schaffen, selbst im WDR, dieser links-ideologischen Echokammer der Republik, als derart agitatorisch zu gelten, dass die Senderführung die Reißleine zieht. Offenbar wurde selbst den Profi-Framern in Köln der penetrante Antifa-Stallgeruch ihres stets etwas bitter und freudlos-doktrinär wirkenden Aktivisten am Ende zu riskant für das sogar beim Stammpublikum schon massiv erodierende Restvertrauen.
Restles journalistisches Ethos war nie die Aufklärung, sondern die Anklage. Ob er Manuel Hagel auf X im Stile eines Volkstribuns wegen seiner harmlosen Rehaugen-Aussage zum „Täter“ stigmatisierte, Migranten-Gewalt in Schwimmbädern zu rechten Phantasien erklärte oder bei Themen wie Impfschäden und Energiepolitik die Grenzen zwischen Dokumentation und Desinformation mit erstaunlicher Ignoranz verwischte: „Monitor“ unter Restle war kein Magazin, sondern eine Politsekte mit Sendeplatz. Ein Agitprop-Format, das journalistische Standards der ideologischen Reinheitslehre opferte. Wer Framing zur Kunstform erhebt und das Publikum durch dreiste Irreführung bevormundet, darf sich über das Etikett des „Haltungsschornsteins“ nicht wundern.
Nun also Nairobi. Vom Korrespondenten-Darsteller in Moskau zum Chefideologen des Haltungsjournalismus in Köln und schließlich zum Verbannten am Äquator. Dass er dort den „chronisch unterberichteten Kontinent“ retten will, ist die letzte Ideologie-Pose eines Mannes, der die eigene Bedeutungslosigkeit nicht wahrhaben will. In Köln atmet man derweil auf: Das Sicherheitsintervall von 6.000 Kilometern steht.
Dass diese Form der Kaltstellung überhaupt so geräuschlos funktioniert, liegt am dicken Polster des Systems. In der freien Wildbahn des Journalismus wäre ein Akteur mit einer derartigen Bilanz längst in hohem Bogen geflogen und müsste sich sein Brot auf einem Markt verdienen, der statt Belehrung und Ideologie Kritik und Leistung honoriert. Nicht so im öffentlich-rechtlichen Apparat: Restle fällt weich – zwar tief in den afrikanischen Busch, aber finanziell hart gepolstert durch jene, die er so tief verachtet: die „Zwangsgebührenzahler“. Mit einem deutschen Gehalt der Vergütungsgruppe 1 – wir reden hier von einem Grundgehalt zwischen 8.500 und 10.500 Euro plus massiver Auslandszulagen – lässt es sich in Nairobi fürstlich leben. Sonne satt und 30 Grad inklusive. Man muss sich um fast nichts kümmern, die Organisation wird oft von Deutschland aus erledigt. Kurzum: Für viele im Apparat ist so ein Posten ein „Lottogewinn“. Aber auch ein goldener Käfig bleibt ein Käfig.
Quellen: meedia.de, Spiegel, Deutschlandfunk, Nius, Reitschuster
Skandal um Sexualstraftäter: Presseausweis in Epstein-Akten - in Deutschland ausgestellt?
In den Ermittlungsakten zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ist ein Presseausweis aufgetaucht, der dem Anschein nach einen Bezug zu einem deutschen Journalistenverband hat. Das Dokument ist auf die aktuell im Gefängnis sitzende Epstein-Vertraute Ghislane Maxwell mit Gültigkeit im Jahr 2017 ausgestellt, wie aus zwei Scans in den Akten hervorgeht, die jeweils die Vorderseite des Ausweises zeigen. Der „Spiegel“ hatte zuerst darüber berichtet. Warum Maxwell einen Presseausweis beantragt haben soll, blieb unklar - auch, warum dieser ausgestellt worden sein soll. Bei dem Dokument handelt es sich um einen internationalen Presseausweis der Internationalen Journalisten-Föderation. Zugeordnet ist das Dokument der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) innerhalb der Gewerkschaft Verdi.
Verdi teilte mit, dass ein solcher internationaler Presseausweis (IPC - International Press Card) für zwei Jahre gültig ist, demnach müsste er 2015 oder 2016 ausgestellt worden sein. „Zentral zugängliche Daten liegen uns zu einem mehr als zehn Jahre zurückliegenden Vorgang aber nicht vor“, hieß es weiter.
Konkret aufklären lässt sich der Fall demnach nicht: „Antragsunterlagen werden nach unserem Datenschutzkonzept nur zweckgebunden gespeichert und regelmäßig nach dem Jahr der Antragstellung vernichtet. Daher ist davon auszugehen, dass auch vor Ort keine Daten oder Nachweise mehr vorhanden sind, die mit der Gültigkeit der IPC korrespondieren“, so Verdi.
Maxwell wurde im Jahr 2022 verurteilt. Laut Urteil hatte sie eine zentrale Rolle beim Aufbau des Missbrauchsrings gespielt, den der Multimillionär Epstein jahrelang aus New York betrieben hatte. Dem Missbrauchsring fielen Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer. 2019 starb Epstein mit 66 Jahren im Gefängnis, bevor es zu einer möglichen weiteren Verurteilung hätte kommen können.
Quelle: Tagesspiegel, Spiegel, WELT, Ster
Angriff auf Journalisten in Kiew: Sicherheit der Berichterstattung gerät unter Druck
Ein Überfall auf ein internationales Journalistenteam in Kiew sorgt für neue Besorgnis. Ein französischer Reporter und ein Kameramann wurden nach Dreharbeiten über die Folgen eines russischen Angriffs in der ukrainischen Hauptstadt von Unbekannten gestoppt, aus ihrem Fahrzeug gezerrt, geschlagen und ausgeraubt. Ausrüstung und persönliche Gegenstände wurden entwendet.
Der Vorfall trifft einen sensiblen Punkt: Kiew gilt für viele internationale Medien als logistischer Rückzugsraum – nicht als unmittelbares Gefahrengebiet. Gerade dort aber zeigt sich nun eine neue Dimension der Unsicherheit. Nach Angaben von Reporter ohne Grenzen bleibt die Lage für Medienschaffende in der Ukraine insgesamt hochriskant. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges wurden zahlreiche Journalisten getötet, verletzt oder gezielt angegriffen. RSF spricht von systematischen Gefährdungen der Pressefreiheit im Kontext des Krieges.
Seit Beginn des Krieges wurden mindestens 147 Medienschaffende getötet, darunter zahlreiche im Einsatz. Allein im Jahr 2025 wurden 160 Angriffe und Bedrohungen gegen Journalisten dokumentiert, darunter auch gezielte Zerstörung von Ausrüstung. Internationale Organisationen sprechen von systematischen Angriffen auf Medien und Journalisten, die teilweise als gezielte Strategie gewertet werden.
Neben direkten Gefahren durch Kampfhandlungen nehmen auch kriminelle Risiken im Hinterland zu – insbesondere in Großstädten wie Kiew, wo sich internationale Medien konzentrieren.
Der aktuelle Angriff verschiebt die Perspektive:
Die Bedrohung für Journalisten geht nicht mehr nur von militärischen Aktionen aus, sondern zunehmend auch vom Umfeld, in dem sie arbeiten. Selbst in der Hauptstadt ist journalistische Arbeit nicht mehr planbar sicher. Für Medienhäuser bedeutet das eine klare Konsequenz: Sicherheitskonzepte müssen neu gedacht werden – nicht nur an der Front, sondern entlang der gesamten Recherchekette.
Fazit: Die Ukraine bleibt ein Einsatzgebiet, in dem Journalismus unter permanentem Risiko stattfindet. Wer berichtet, arbeitet unter Bedingungen, die sich weiter verschärfen – und längst nicht mehr nur durch den Krieg selbst.
Quelle: Tagesschau
Fall Bystron geht in die nächste Runde – Streit um Meinungsfreiheit eskaliert
Der Fall des AfD-Politikers Petr Bystron entwickelt sich zum politischen und juristischen Dauerbrenner: Im Zentrum steht eine von ihm verbreitete Fotomontage, die Politiker in einer Szene zeigte, die an einen Hitlergruß erinnerte und damit bewusst provozierte. Genau diese Darstellung wertete das Amtsgericht München als strafbare Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen – und verurteilte Bystron zu einer Geldstrafe. Doch das Urteil ist nicht rechtskräftig: Der Politiker geht in die nächste Instanz.
Doch der Fall reicht weit über die Person Bystron hinaus. Kritiker sehen darin ein weiteres Beispiel für eine zunehmend restriktive Auslegung der Meinungsfreiheit in Deutschland. Die zentrale Frage lautet: Wo endet politische Zuspitzung, wo beginnt strafbare Symbolik?
Gerade für Journalisten ist diese Entwicklung von besonderer Brisanz. Denn wenn satirische oder provokative Darstellungen strafrechtlich verfolgt werden, geraten auch klassische Formen politischer Zuspitzung unter Druck. Der Grat zwischen legitimer Meinungsäußerung und strafbarer Grenzüberschreitung wird schmaler – und unschärfer.
Der Fall Bystron könnte damit zu einem Präzedenzfall werden. Nicht nur für Politiker, sondern für alle, die sich öffentlich äußern. Die nächste Runde vor Gericht wird deshalb mit Spannung erwartet – sie ist auch ein Test dafür, wie belastbar das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung in Deutschland tatsächlich noch ist.
Quelle: Legal Tribune Online
VEJ AKTUELL
Browser Consent“: EU droht neue Ungleichgewichte zu schaffen – zulasten von Medien, KMU und echter Nutzerfreiheit
Brüssel / München, April 2026. Die Vereinigung Europäischer Journalisten (VEJ) warnt vor den aktuellen Plänen der Europäischen Union im Rahmen des Digital-Omnibus-Vorschlags zur Einführung eines sogenannten „Browser Consent“, also der Einwilligung für Cookie-Banner. Was als Erleichterung für Nutzer angekündigt wird, könnte in der Praxis erhebliche Nachteile für Medien, kleine und mittlere Unternehmen sowie Selbstständige bringen.
„Weniger Cookie-Banner sind sinnvoll. Aber der gewählte Weg ist problematisch“, erklärt der Präsident der VEJ Ralf Schneider. „Wenn Einwilligungen künftig über voreingestellte Browser- oder Systemeinstellungen gesteuert werden, entscheiden am Ende nicht mehr die Nutzer allein – sondern auch die Anbieter dieser Systeme.“
Risiko für kleinere Anbieter
Die VEJ sieht die Gefahr, dass viele Nutzer die voreingestellten Optionen nicht aktiv ändern. Das könnte dazu führen, dass datenbasierte Werbung stark eingeschränkt wird. Besonders betroffen werden kleinere Anbieter, Fachmedien und unabhängige Publisher, die auf diese Einnahmen angewiesen sind. Große Plattformen hingegen haben eigene Daten und sind deutlich weniger abhängig.
Ausnahme für Medien wirft Fragen auf
Kritisch bewertet die VEJ auch die geplante Sonderregelung für Mediendienste. Diese soll den Journalismus schützen, ist aber unklar formuliert:
Wer gilt künftig als Mediendienst?
Wer entscheidet darüber?
Und nach welchen Maßstäben?
„Es darf nicht sein, dass einige Anbieter andere Regeln haben als der Rest“, so der VEJ-Präsident. „Das schafft neue Unsicherheiten und ist schwer nachvollziehbar.“
Die VEJ betont, dass echte Nutzerfreiheit nicht durch technische Voreinstellungen ersetzt werden darf. Entscheidungen müssen bewusst getroffen werden können – und nicht stillschweigend vorgegeben sein.
VEJ fordert klare Regeln und Beteiligung der Betroffenen
Die Vereinigung Europäischer Journalisten fordert daher:
klare und transparente Kriterien für Ausnahmen,
keine voreingestellten Lösungen, die den Wettbewerb verzerren,
und eine stärkere Einbindung von Medien, KMU und Selbstständigen in den weiteren Prozess.
Die VEJ wird sich aktiv in die Diskussion einbringen und die Interessen der Betroffenen vertreten. „Europa braucht faire Regeln für alle – und echte Entscheidungsfreiheit für die Nutzer“, betont Ralf Schneider abschließend.
Rückblick
VEJ‑Hintergrundgespräch mit dem stellvertretenden Regierungssprecher Sebastian Hille in Berlin
VEJ Präsident Schneider begrüßte Sebastian Hille als dialogorientierten und medienaffinen Gesprächspartner, der mit analytischer Klarheit politische Prozesse zu erklären und einzuordnen versuche und dies mit kommunikativer Offenheit verbinde.
Hille wies in seinem Statement zu seiner Aufgabe als stellvertretender Regierungssprecher, die Arbeit der Bundesregierung medial zu vermitteln insbesondere auf die Spannung hin, die zwischen den Erwartungen der Öffentlichkeit (klare und schnelle Botschaften) und der Komplexität des Regierungshandelns bestehe. Komplexe und in einer Koalition oft auch konflikthafte Prozesse und Entscheidungen seien häufig kommunikativ schwer vermittelbar, es gehe aber in der Kommunikation seitens der Regierung darum, präzise statt vorschnell oder unvollständig zu informieren. Die aktuellen Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft im Bereich Energiepolitik (u.a. Strom- und Benzinpreise) sowie aufgrund des demografischen Wandels und der hohen Bürokratiebelastung benannte Hille klar und betonte, dass Deutschland wieder wettbewerbsfähig werden und zu einer nachhaltigen Stärkung des Wirtschaftsstandorts gelangen müsse.
Er bemängelte allerdings, dass die Darstellung der Regierungsarbeit in deutschen Medien häufig Lücken oder Verzerrungen aufweise. Politische Maßnahmen benötigten aber oft Zeit, um sichtbar zu werden. Diese Verzögerungen sorgten dann für Unschärfe in der öffentlichen Wahrnehmung und für eine negative Bewertung.
Die anwesenden Hauptstadtjournalisten und Korrespondenten stellten dies nicht grundsätzlich in Frage. Aber sie wiesen deutlich in einer Vielzahl kritischer Fragen darauf hin, dass angesichts der aktuellen wirtschaftlichen, energie- und sozialpolitischen (Rentenreform, Gesundheitswesen) Probleme die Kommunikation der Bundesregierung häufig zu unklar, zu unpräzise, sogar widersprüchlich sei. Auch bei schwierigen Entscheidungs- und langwierigen Umsetzungsprozessen von Reformvorhaben im wirtschaftlichen und sozialpolitischen Bereich müsse eindeutig klarer kommuniziert werden, und dies insbesondere auch, um einem weiteren Vertrauensverlust in die Regierung bzw. das demokratische Parteiensystem entgegenzutreten.
Neue Mehrheiten statt alter Blockaden? VEJ-Debatte im PresseClub München trifft einen Nerv
Manchmal reicht eine einfache Frage, um eine größere Debatte auszulösen: Braucht Deutschland eine neue Form des Regierens? Im Internationalen PresseClub München wurde genau darüber diskutiert – mit VEJ-Mitglied Dr.-Ing. Peter H. Grassmann, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Carl Zeiss, Martin Hagen, Denkfabrik 21, Michael Jäger, Bund der Steuerzahler und dem CSU-Landtagsabgeordneten Thorsten Freudenberger.
Die Ausgangslage war schnell klar: Politik gilt vielen als zu langsam, zu blockiert und zu wenig wirksam. Entscheidungen dauern – oder werden so stark verwässert, dass ihre Wirkung verpufft. Mit seinem Essay „Demokratie neu denken“ stellt Grassmann eine provokante, aber einfache Frage: Warum organisieren wir Politik fast ausschließlich über starre Koalitionen – obwohl das Parlament eigentlich flexibelere Mehrheiten ermöglicht?
Sein Vorschlag: mehr themenbezogene Mehrheiten („Projektkoalitionen“) statt fester Blocklogik. Ein Ansatz, der irritiert – und gerade deshalb auf Interesse stößt.
Die Diskussion machte die zentrale Spannung sichtbar:
Mehr Flexibilität kann Entscheidungen beschleunigen
Mehr Stabilität schafft Vertrauen und Orientierung
Während Grassmann und Hagen für mehr Beweglichkeit plädierten, warnte Freudenberger vor dem Verlust klarer politischer Linien. Michael Jäger brachte die wirtschaftliche Dimension auf den Punkt:
Politische Blockade ist kein abstraktes Problem – sie kostet Wachstum, Investitionen und Vertrauen. Die Reaktionen im Saal und im Livestream zeigten deutlich: Grassmanns Überlegungen treffen einen Nerv. Viele Zuhörer erkannten in der Analyse ihre eigene Wahrnehmung wieder – ein funktionierendes System, das dennoch zunehmend an Entscheidungsfähigkeit verliert.
Die Veranstaltung war kein Abschluss, sondern ein Auftakt. Denn die eigentliche Frage bleibt:
Wie organisieren wir Politik so, dass sie wieder entscheidet – und nicht nur moderiert? Dass diese Frage inzwischen offen gestellt wird, ist bereits ein Signal.
DER HAMMER DES QUARTALS
ZDF-Wahl, Gerichts-Dämpfer und Reform-Druck: Kippt jetzt das System Rundfunkbeitrag?
Die Wahl des ZDF-Intendanten hat eine Debatte ausgelöst, die weit über Personalfragen hinausgeht. Es geht längst nicht mehr nur um einzelne Fehlentscheidungen oder unglückliche Kommunikationsprozesse, sondern um die Funktionsfähigkeit eines Systems, das sich selbst kontrollieren soll und dabei zunehmend an Vertrauen verliert.
Schon die Art der Wahl hat viele Beobachter irritiert. Faktisch gab es keinen echten Wettbewerb, keinen ernsthaften Gegenkandidaten und kaum eine öffentliche Auseinandersetzung über programmliche Leistungen oder Defizite. Was formal korrekt ablief, wirkte inhaltlich erstaunlich leer. Für viele ist das mehr als ein Schönheitsfehler – es ist ein Hinweis darauf, dass zentrale Kontrollmechanismen nicht mehr die Wirkung entfalten, die sie eigentlich haben sollten.
Diese Wahrnehmung fällt in eine Phase, in der sich die Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk deutlich verdichtet. Immer wieder werden Fälle bekannt, die das Vertrauen in die journalistische Qualität erschüttern. So wurde im „heute journal“ KI-generiertes Material nicht ausreichend gekennzeichnet und als reales Geschehen präsentiert – ausgerechnet in einem Kontext, in dem zuvor vor manipulierten Inhalten gewarnt worden war. In anderen Fällen sorgten fehlerhafte Wahlgrafiken für Irritationen, weil politisch relevante Darstellungen schlicht nicht stimmten und erst im Nachhinein korrigiert wurden. Hinzu kommen interne Konflikte in Redaktionen, bei denen es um die Gewichtung von Themen und die politische Ausrichtung von Berichterstattung geht. Solche Vorgänge sind für sich genommen erklärbar, in ihrer Summe jedoch ergeben sie ein Muster – und dieses Muster wirkt sich unmittelbar auf die Wahrnehmung des Publikums aus.
An diesem Punkt setzt die Arbeit von Roland Schatz und seinem Institut Media Tenor an. Schatz, selbst Mitglied der Vereinigung Europäischer Journalisten, verfolgt seit Jahren den Ansatz, Medienqualität nicht als subjektives Gefühl zu behandeln, sondern empirisch messbar zu machen. Seine Analysen zeigen wiederkehrende Strukturen: eine begrenzte Vielfalt an Perspektiven, ähnliche Gewichtungen von Themen und Akteuren sowie eine auffällige inhaltliche Konvergenz. Es geht also nicht um einzelne Beiträge, sondern um Muster über längere Zeiträume hinweg. Besonders deutlich wird dies in der Wahrnehmung des Publikums. „Bei ARD und ZDF wird nicht diskutiert, was mir wichtig ist, sagen zwei Drittel der Menschen“, fasst Schatz diese Entwicklung zusammen. Gleichzeitig formuliert er eine juristisch brisante Konsequenz: „Sie müssen nicht nur zahlen, sie dürfen auch auf eine Gegenleistung pochen.“ Damit ist eine zentrale Frage aufgeworfen, die bisher selten so klar gestellt wurde: Ist der Rundfunkbeitrag noch legitim, wenn zentrale Erwartungen wie Vielfalt, Ausgewogenheit und Relevanz aus Sicht vieler Beitragszahler nicht mehr ausreichend erfüllt werden?
Dass es sich dabei nicht nur um eine politische oder publizistische Debatte handelt, sondern um eine Frage mit rechtlicher Relevanz, zeigen die aktuellen Gerichtsverfahren. Zwar hat ein Gericht in Baden-Württemberg eine Klage gegen den Rundfunkbeitrag jüngst zunächst abgewiesen, weil ein systematischer Verstoß gegen den Programmauftrag nicht ausreichend nachgewiesen werden konnte. Doch diese Entscheidung ist keineswegs als endgültige Klärung zu verstehen. Im Gegenteil: Die Rechtsprechung hat gleichzeitig deutlich gemacht, dass die Beitragspflicht nicht voraussetzungslos gilt. Sollte sich über längere Zeiträume hinweg zeigen, dass zentrale Anforderungen wie Vielfalt und Ausgewogenheit tatsächlich verfehlt werden, könnte auch die Legitimation der Finanzierung infrage gestellt werden. Damit ist ein Zusammenhang geschaffen, der weitreichende Folgen haben kann: Programmqualität, gesellschaftliche Akzeptanz und finanzielle Grundlage sind enger miteinander verknüpft, als es lange den Anschein hatte.
Genau an dieser Stelle tritt ein weiteres strukturelles Problem zutage. Der Nachweis solcher Defizite ist aufwendig, komplex und teuer. Vollanalysen des gesamten Programms über längere Zeiträume hinweg würden enorme Ressourcen erfordern, die für einzelne Beitragszahler kaum aufzubringen sind. Es entsteht ein Ungleichgewicht zwischen einem großen, gut ausgestatteten System und begrenzten Möglichkeiten seiner kritischen Überprüfung. Auch das trägt dazu bei, dass sich Unzufriedenheit aufbaut, ohne dass sie leicht in belastbare Nachweise übersetzt werden kann.
Während Deutschland noch um die richtige Bewertung dieser Entwicklungen ringt, ist die Debatte in anderen europäischen Ländern bereits einen Schritt weiter. Mehrere Staaten, darunter Tschechien, prüfen derzeit Modelle, die klassischen Rundfunkgebühren abzuschaffen oder grundlegend umzubauen. Der Trend geht weg von verpflichtenden Finanzierungsformen hin zu flexibleren Modellen, die stärker an Nutzung und Akzeptanz orientiert sind. Deutschland steht damit nicht mehr automatisch für ein zukunftsfähiges Modell, sondern gerät zunehmend unter Reformdruck.
Auch innerhalb Deutschlands wächst die Bereitschaft, politisch einzugreifen. In Bayern arbeitet die Staatsregierung an einem neuen Rundfunkgesetz, das gezielt darauf abzielt, die Ausgewogenheit im öffentlich-rechtlichen Programm zu stärken und einseitige Tendenzen zu begrenzen. Dass ein solcher Ansatz überhaupt verfolgt wird, zeigt, wie weit sich die Diskussion verschoben hat. Was lange als diffuse Kritik galt, wird nun konkret politisch adressiert.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die bisherigen Antworten ausreichen. Über Jahre hinweg lautete die Strategie: Reform. Mehr Transparenz, bessere Gremien, stärkere Kontrolle. Doch die aktuellen Entwicklungen legen nahe, dass diese Maßnahmen möglicherweise nicht tief genug greifen. Wenn die Probleme struktureller Natur sind, wenn also Anreize, Entscheidungsprozesse und Selbstkontrolle systematisch zu bestimmten Ergebnissen führen, dann stellt sich zwangsläufig die grundsätzliche Frage nach der Zukunft des Modells.
In diesem Zusammenhang gewinnt eine Position an Gewicht, die lange als radikal galt: die Abschaffung der Rundfunkgebühren in ihrer heutigen Form. Dabei geht es nicht um eine Absage an öffentlich-rechtlichen Journalismus, sondern um die Frage seiner zukünftigen Finanzierung. Ein System, das sich stärker am Wettbewerb orientiert, könnte Qualität unmittelbarer belohnen und Vertrauen zurückgewinnen, weil es auf freiwilliger Nutzung und tatsächlicher Relevanz basiert. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk müsste sich dann wieder stärker an dem messen lassen, was ihn legitimiert: an seiner Leistung für das Publikum.
Die ZDF-Intendantenwahl war damit nicht der Kern des Problems, sondern ein Auslöser. Sie hat sichtbar gemacht, was sich seit längerem entwickelt: eine wachsende Diskrepanz zwischen Anspruch und Wahrnehmung, zwischen Systemlogik und Publikumserwartung. Fehler im Programm, empirische Analysen wie die von Media Tenor, juristische Verfahren, politische Initiativen und europäische Entwicklungen greifen ineinander und verdichten sich zu einer grundlegenden Frage.
Diese Frage lautet nicht mehr, ob sich etwas ändern muss. Sondern, ob das bestehende Modell noch reformierbar ist – oder ob es einen echten Neustart braucht.
TERMINE
Save the Date: Europäischer Journalistenkongress in Rom
Bitte vormerken: Am 23. Oktober 2026 findet der Kongress unseres Dachverbandes, der European Journalists, in Rom statt. Veranstaltungsort ist ein ebenso zentraler wie eindrucksvoller Rahmen: das Palazzo Rospigliosi, Via XXIV Maggio 54 – Sitz der italienischen Bauernorganisation Coldiretti. Ein Ort, der wie kaum ein anderer für gesellschaftlichen Dialog und europäische Vernetzung steht.
Neben den inhaltlichen Panels und Diskussionen kommt der Mitgliederversammlung besondere Bedeutung zu. Hier werden die Weichen für die zukünftige Ausrichtung unseres europäischen Netzwerks gestellt – und damit auch für die Rolle und Stimme des VEJ in Europa. Gerade in Zeiten tiefgreifender medienpolitischer Veränderungen ist eine starke, geschlossene Position wichtiger denn je. Weitere Informationen folgen in Kürze. Bitte halten Sie sich den Termin frei.
19. – 20. Mai 2026 SME Connect -Arbeitsreise nach Berlin
Exklusiv-Einladung für VEJ-Mitglieder, Anmeldeschluss 08.05.26
Nähere Details und Anmeldung über den VEJ-Vizepräsidenten Dr. Horst Heitz: E-Mail
19. Mai 2026, 19:00 Netzwerk-Abendessen, Kreuzber
20. Mai 2026, 07:30–09:00 Arbeitsfrühstück im Deutschen Bundestag
„Unternehmertum und Selbstständigkeit in Deutschland zwischen Eigenverantwortung, Regulierung und Belastungen“, Tobias Winkler MdB, Mitglied im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union
09:45–11:15 Kaffee- und Brezn-Runde
„Deutschland in der Krise – teure Energie, Bürokratiemoloch und steigende Steuern“
Reiner Holznagel, Präsident, Bund der Steuerzahler Deutschland
12:00 Mittagessen und politische Nachlese in der Ständigen Vertretung
18. Mai 2026 bis 20. Mai 2026, re:publica 2026 – "Never Gonna Give You Up", Berlin
Unter dem Motto „Never Gonna Give You Up” lädt die re:publica 2026 dazu ein, (einander) nicht aufzugeben, Haltung zu zeigen und sich gegenseitig zu stärken. Lasst uns unsere Zukunft gestalten und das Netz zurückerobern, indem wir für Räume kämpfen, die uns verbinden. Mit Mut, Hoffnung, Spaß und der klaren Botschaft: Wir halten zusammen!
21. Mai 2026, B2B Media Days 2026 – "Kongress der Deutschen Fachpresse"
Palais in der Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin Berlin
Europas größter B2B-Medien-Kongress: Die B2B Media Days – Kongress der Deutschen Fachpresse sind das Highlight-Event der Fachmedienanbieter. Rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen jährlich zusammen, um über aktuelle Trends und Entwicklungen und Business Cases zu diskutieren. Der Abend steht ganz im Zeichen der Verleihung der Branchenawards “Fachmedium des Jahres” und “Fachjournalist des Jahres” der Deutschen Fachpresse und schließt mit der B2B Media Night.
27. Mai 2026 bis 28. Mai 2026, Deutscher PR-Tag 2026 – "Zeit zu sprechen"
Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle Stuttgart, Berliner Pl. 1-3, 70174 Stuttgart
Zwei Tage. 25 Themen. Knapp 50 Sprecherinnen und Sprecher. Über 200 Kommunikationsexperten. Der Deutsche PR-Tag: ein starkes Netzwerk mit intensivem Austausch auf Augenhöhe. Das Weitergeben von Wissen, Erfahrungen und Erkenntnissen aus Fehlschlägen.
Veranstalter: Deutsche Public Relations Gesellschaft (DPRG)
17. Juni 2026 bis 18. Juni 2026, European Publishing Congress 2026 – "Der Kongress für Medienprofis"
Palais Niederösterreich, Herrengasse 13, 1010 Wien
Wie wir KI in unseren Prozessen nützen. Wie wir unser Business vor KI schützen. Die besten Strategien und Cases. Hier präsentierten die besten Medienmacher Europas ihre Strategien zur Zukunft der Branche. KI und die Digitale Transformation sind die Schwerpunkte.
24. Juni 2026 bis 25. Juni 2026, Lokalrundfunktage 2026 – "Deutschlandweit der größte Branchentreff für den lokalen und regionalen Rundfunk", Nürnberg
Die Lokalrundfunktage in Nürnberg sind deutschlandweit der größte Branchentreff für den lokalen und regionalen Rundfunk: Mehr als 900 Teilnehmer aus der Rundfunk- und Medienwelt informieren sich über neue Trends, Technologien und Produkte im Fernseh- und Radiomarkt. Die zweitägige Veranstaltung ist ein Forum für Meinungsaustausch, Zukunftsvisionen und Lösungsansätze. Das Programm der Lokalrundfunktage umfasst Workshops, Diskussionsrunden und Vorträge von rund 80 nationalen und internationalen Speakern.
30. Juni 2026, MVFP Medienforum der freien Presse 2026 – "Gesprächsformate zu Trends und Zukunftsmodellen", Allianz Forum, Pariser Platz 6, 10117 Berlin
„Kurzweilig“ – „Mitten drin im politischen Berlin“ – „Top Locations“: Mit diesem positiven Feedback der letzten Veranstaltung gehen das MVFP Medienforum und die MVFP Mediennacht der freien Presse in die nächste Runde.
Im Herzen der Hauptstadt, direkt am Brandenburger Tor, bietet das MVFP Medienforum der freien Presse im Allianz Forum eine Plattform für vielseitige Perspektiven: inspirierende Keynotes, kontroverse Diskussionen und den direkten Austausch über die Zukunft unserer Branche. Bei der MVFP Mediennacht der freien Presse erwartet Sie im China Club Berlin ein Abend in besonderer Atmosphäre – hoch über den Dächern Berlins.
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